Bauprojekt Fischelner Bunker

Foto BVF

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Bebauungsplan soll Schützenfest sichern

Im Ringen um den besten Weg, den Marienplatz als Ort für das Fischelner Schützenfest zu sichern, ist gestern im Rat ein neues Kapitel aufgeschlagen worden: Der Rat hat mit der Mehrheit von CDU, FDP und SPD beschlossen, einen einleitenden Beschluss für einen Bebauungsplan, der ins Jahr 2008 zurückführt, fortzusetzen. Das Ziel: das Gebiet, in dem ein Bunker zu einer Wohn- und Büroanlage umgebaut werden soll, als Mischgebiet festzuschreiben. "Wir benötigen Klarheit", sagte CDU-Ratsfrau Britta Oellers, "ein Schützenfest, das seit 1451 stattfindet, muss auch für die nächsten Jahre möglich sein." Jetzt haben sich die Parteien doch noch auf eine Lösung geeinigt: Demnach soll das Verfahren zur Aufstellung des Bebauungsplans 670 / Marienplatz "fortgesetzt" werden. Ziel: Das Gebiet als Mischgebiet (in dem weniger strenge Lärmschutzbestimmungen gelten als in einem Wohngebiet) festzuschreiben. Ausdrücklich wurde bestimmt, dass die Verwaltung "alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpft, um die Planungsziele des Bebaungsplans 670 durchzusetzen" - gemeint war das Ziel, das schon im einleitenden Beschluss von 2008 stand: den Marienplatz als Markt- und Festplatz festzuschreiben. Quelle RP

Fischelner Schützen fordern einen Bebauungsplan

Die Marienhof Fischeln Unternehmergesellschaft (UG), die wie berichtet, im Fischelner Bunker am Marienplatz 24 Wohnungen bauen will, hat sich auf Empfehlung des vereidigten Brandschutzsachverständigen Paul Corall dazu entschlossen, zusätzlich rund 100.000 Euro in ein Sicherheitstreppenhaus zu investieren. "Weil durch diese Hightech-Anlage die Feuerwehrzufahrt bis zur Westseite des Bunkers unnötig wird und weil der Sechs-Meter-Abstand zwischen Bunker und Schützenzelt auf vier Meter reduziert werden kann, können das Schützenzelt, das Vorzelt wie auch die Versorgungswagen so aufgestellt werden, wie sie immer gestanden haben", sagte Mitinvestor Heinz Klinkhammer gestern in einem Pressegespräch.

Sicherheitstreppenhäuser kommen aus dem Hochhausbau: Indem Außenluft angesaugt und vom Keller aus durch das gesamte, hermetisch abgeschlossene Treppenhaus nach oben geblasen wird, wo sich dann eine Dachklappe öffnet, kann das Treppenhaus bei einem Brand rauchfrei gehalten werden. Somit können die Bewohner das Gebäude durch das Treppenhaus verlassen. Drehleitern, die bei einem Hochhausbrand ohnehin nichts ausrichten können, würden aufgrund einer solchen Treppenhausanlage nicht benötigt. Gelöscht würde ein Brand durch Wehrleute, die mit entsprechend langen Schläuchen ebenfalls durch das Treppenhaus vorrücken würden. Die Löschfahrzeuge stünden vorschriftsgemäß in einem Abstand von unter 50 Metern. "Wie der Brandsachverständige in einem Brief an Udo Rodig, Leiter der städtischen Bauaufsicht, mitgeteilt hat, kann sich Branddirektor Kai Günther von der Krefelder Feuerwehr mit dieser Lösung einverstanden erklären", sagte Klinkhammer. "Aus unserer Warte ist damit der Gordische Knoten durchschlagen, weil die Schützen auf die beschriebene Weise so gestellt sind, wie vor unsrem Bauprojekt." "

Wir haben grundsätzlich nichts gegen die Bebauung des Bunkers und nehmen zur Kenntnis, dass Zelt, Vorzelt und Versorgungswagen so stehen können, wie bisher", sagte Klaus Weichert, Vorsitzender der Bürger-Schützen-Gesellschaft Fischeln gestern im Gespräch mit unserer Redaktion. "Den jüngsten Plan der UG haben wir aber noch nicht gesehen und müssen uns davon noch ein Bild machen", ergänzte Klaus Heß, Geschäftsführer der Fischelner Schützen. Während die UG durch den Einbau von Fenstern, die sich nicht öffnen lassen, immissionstechnisch keine Probleme mehr sieht, glaubt Heß, dass diesbezüglich sehr wohl noch Ärger anstehen könnte:. "Die Wohnbebauung im Bunker ist näher am Schützenzelt als die übrige Bebauung am Marienplatz. Das heißt, dass wir die übrige Bebauung mit unserem Lärmschutzkonzept abschirmen können. Im Fall des Marienhofs wird es aber so sein, dass der Lärm aus dem Zelt über dessen Decke ungefiltert nach oben geht. Wir müssen zwingend davon ausgehen, dass der Schutzanspruch der künftigen Bewohner nicht eingehalten werden kann. Diesbezüglich haben wir von der UG keinen überzeugenden Lösungsansatz bekommen."

Als einziges sinnvolles und notwendiges Instrument, den Schutzanspruch der künftigen Bewohner zu gewährleisten, gebe es nur die Möglichkeit eines Bebauungsplans. Und nur so könnten Zusagen der UG - auch bezüglich Haftungsfragen - festgeschrieben werden, so der Geschäftsführer der Schützen. "Der einleitende Beschluss für einen B-Plan ist schon 2008 gefasst, der Plan aber bisher nicht realisiert worden. Warum nicht, können wir nicht nachvollziehen."

Quelle: RP

Runder Tisch - erste Ergebnisse

Es gibt offenbar eine Einigung zwischen Stadt, Feuerwehr, Schützen und Vereinen in Fischeln über die Nutzung des Marienplatzes für Volksfeste, darunter das Schützenfest. Wie berichtet, gibt es Pläne, den Bunker umzubauen und dort Wohnungen und Büros einzurichten. Die Fischelner Schützen knüpfen daran die massive Sorge, dass dann weitere Lärm- und Brandschutzauflagen die Durchführung des Schützenfestes auf dem Marienplatz unmöglich machen könnten.

Wie Grünen-Ratsfrau Anja Cäsar auf Anfrage der Rheinischen Post mitteilte, hat nun ein Runder Tisch mit allen Verantwortlichen ergeben, dass das Schützenzelt auch nach Anlage der Wohnungen dort aufgestellt werden kann. Demnach habe die Feuerwehr einem Brandschutzkonzept zugestimmt; auch würden keine neuen immissionsschutzrechtlichen Probleme geschaffen werden, so dass dort das Schützenfest wohl im Wesentlichen stattfinden kann wie bisher. Dem Vernehmen nach muss eventuell das Zelt etwas versetzt werden und etwas schmaler werden; Details sollen bei neuen Vermessungen noch ermittelt werden. Im Grundsatz aber haben die Schützen grünes Licht erhalten, den Marienplatz weiter zu nutzen.


Die Grünen-Politikerin begrüßt die Entwicklung: "Ich freue mich darüber, dass es zu einem Gespräch zwischen den beteiligten Vereinen, den Unternehmern, der Politik, der Verwaltung und der Feuerwehr gekommen ist, bei dem die sachliche Auseinandersetzung über die Problemstellung der Bunkerbebauung vorherrschte." Nun sei klar, dass das wichtige Brauchtum und die Entwicklung des Fischelner Zentrums sich nicht ausschlössen. "Ein Schützenfest, eine Kirmes und ein Martinsfeuer - alle sind auch mit der Aufwertung des Bunkers zu barrierearmen Wohnungen möglich." Quelle RP 6.03.17

Eine Reihe von Fragen sind noch offen

Trotz des Runden Tischs zum Thema Bunkerausbau auf dem Marienplatz und Nutzung für Brauchtumsveranstaltungen wie das Schützenfest, seien noch viele Fragen offen, sagt Britta Oellers, stellvertretende Vorsitzende der CDU-Fraktion zu dem Treffen am vergangenen Donnerstag. Dazu gehören aus ihrer Sicht Fragen nach dem Platzbedarf für das Schützenzelt und nach der Größe des benachbarten Spielplatzes, wenn der zweite Rettungsweg über diese Seite geregelt werde. Das gestern veröffentlichte Fazit von Anja Caesar (Grüne), wonach sich das wichtige Brauchtum und die Entwicklung des Fischelner Zentrums nicht ausschlössen, habe sie doch sehr überrascht, erklärt Oellers.

"Anders als Frau Cäsar es glauben machen will, ist das Schützenfest noch nicht gerettet. Nach dem Runden Tisch müssen nun Gespräche geführt werden, beispielsweise mit dem Zeltaufsteller und Zeltwirt während des Schützenfestes", ergänzt Benedikt Lichtenberg, CDU-Vorsitzender und Ratsherr für Fischeln. Die CDU bleibe bei ihrer Meinung: "Solange die Durchführung des Schützenfestes in seiner jetzigen Form gefährdet ist, wird es unsererseits keine Unterstützung für die Bunker-Sanierung geben."

Auch die Bürger-Schützen-Gesellschaft Fischeln nahm "die einseitige Stellungnahme von Grünen- Ratsfrau Frau Anja Cäsar mit Erstaunen und einer Portion Fassungslosigkeit zur Kenntnis". Die Aussage, es gebe offenbar eine Einigung zwischen der Stadt, der Feuerwehr und vertretenen Vereinen sei inhaltlich falsch. Richtig sei, dass der Ortstermin vom 2. März nach Bekanntwerden der Pläne in der Bezirksvertretung Fischeln im November 2016 ein Informationsaustausch war, der den geladenen Vereinen erstmals die Möglichkeit geboten habe, Fragen zum Projekt an die Verwaltung der Stadt zu stellen. "Nach unserer Einschätzung wurden viele Fragen beantwortet, die Bedenken hierzu konnten aber nicht ausgeräumt werden. So blieben beispielsweise Fragen bezüglich der Spielplatzsituation und der veränderten Parkraumsituation auf dem Marienplatz offen", erklären die Schützen.

Von einer Einigung oder gar einem Durchbruch könne nicht die Rede sein, ergänzt Klaus Hess, Geschäftsführer der Fischelner Schützengesellschaft. "Hier ist Ratsfrau Anja Cäsar über das Ziel hinaus geschossen und hat dabei bewusst einen falschen Eindruck der Sachlage vermittelt. Eine Zustimmung zu einem Brandschutzkonzept unter Berücksichtigung der zu erwartenden baulichen Veränderungen wurde nicht erteilt. Ebenso wenig wurden Zusagen zu etwaigen Lärmschutzauflagen gemacht." Klarheit darüber, ob Brauchtumsveranstaltungen auch mit einer veränderter Bebauung abgehalten werden können, herrsche weiterhin nicht. Die Durchführung von Brauchtumsveranstaltungen auf dem Marienplatz sei bei Durchführung des Bunkerumbaus weiterhin und unverändert nicht gewährleistet.

Die Marienhof Fischeln Unternehmergesellschaft (UG) habe, so Mitinvestor Heiner Klinkhammer, die Baupläne vor der Darstellung auf der Donnerstagveranstaltung verändert und nachgewiesen, dass die Feuerwehr beim zweiten Rettungsweg auf den hinteren Hof fahren könne und dort zwei Aufstellflächen für Einsatzfahrzeuge habe; der Spielplatz bleibe davon unberührt. "Die Feuerwehr hat bei der Veranstaltung erklärt, dass sie so darauf verzichten könne, dass das Schützenzelt neun Meter Abstand von der Bunkerwand haben müsse; sechs Meter würden genügen", berichtet Klinkhammer. Dadurch müsse das Zelt auch nicht kleiner werden, sondern könne weiterhin in der maximalen Größe von 1125 Quadratmeter aufgestellt werden.

Auch bezüglich des Immissionsschutzes habe die UG umgeplant. Für die zwei Wohnungen im 3. und 4. Geschoss seien nun Fenster vorgesehen, die nicht geöffnet werden können und daher immissionsrechtlich keine Rolle mehr spielten. "Feuerwehr, Bauaufsicht, Umwelt- und Ordnungsamt haben gesagt, dass keine Verschlechterungen für etwaige Genehmigungen zu erwarten seien", so Klinkhammer.

Offen sei nur noch, ob Zelt, Vorschleuse, Toilettenwagen et cetera alle so aufgestellt werden könnten wie bisher. Daher sei für diese Woche ein Ortstermin mit allen Beteiligten angestrebt, um die Gegebenheiten durch Vermessung zu sichern. Allerdings hätten sich die Schützen dazu noch nicht gemeldet.

Quelle: RP 03/17

Auch der Bürgerverein hatte das Thema diskutiert

Der Vorstand des Bürgervereins Fischeln hat sich in seiner letzten Sitzung unter anderem mit dem Thema "Fischelner Bunker" beschäftigt. Nach intensivem Austausch bleibt zur Zeit nur festzustellen, dass es noch sehr viele offene, aber schon gestellte Fragen gibt. Darüber hinaus fragt sich der Bürgervereinsvorstand allerdings, welche Auswirkungen die geplante wohnwirtschaftliche Nutzung des Bunkers auf weitere Veranstaltungen auf dem Marienplatz hat. Ist z.B. das Martinsfeuer, das ja ebenfalls ein traditionelles Brauchtumsereignis ist, auch gefährdet?

Die Vorstandsmitglieder hoffen, dass zu den Fragen schnell fundierte Antworten gefunden werden.

Sorgen um Brauchtum und Tradition

Ihrer Sorge um Brauchtum und Traditionen haben am Mittwoch rund 200 Fischelner Bürger mit einer großen Protestaktion Ausdruck verliehen, zu der die Bürger-Schützen-Gesellschaft Fischeln beziehungsweise die eigens gegründete Interessengemeinschaft (IG) "Rettet das Brauchtum" aufgerufen hatte. Nach einer Kundgebung auf dem Marienplatz, direkt vor dem umstrittenen Standort für Wohnungs-Neubauten am Bunker (wir berichteten), marschierten die Bürger zu zackiger Marschmusik des Spielmannszuges "Gut Schlag" Richtung Rathaus und Einwohnerfragestunde. Dort tagte zu diesem Zeitpunkt die Bezirksvertretung Fischeln. Die IG befürchtet, wie berichtet, dass durch das Bauprojekt Brauchtumsveranstaltungen auf dem Marienplatz, zum Beispiel das Schützenfest, verhindert werden könnten.

Die Schützen-Demonstranten zogen vom Marienplatz zum Fischelner Rathaus. Auf grünen Bannern stand "Rettet das Brauchtum!" zu lesen.

Klaus Weichert, erster Vorsitzender der Bürgerschützen, trug im mit hunderten Zuhörern überfüllten Rathaus dem Gremium die Fragen seines Vereins ruhig vor. Dabei ging es vor allem darum, wer, wann Kenntnis von dem Projekt hatte und ob etwa die Stadt mit der Projektidee auf den Bauträger zugegangen sei. Im weiteren Sitzungsverlauf erläuterten weitere Bürger in aufgeheizter Stimmung ihre Standpunkte - ohne jedoch konkrete Fragen zu formulieren, wie es die Einwohnerfragestunde eigentlich vorsieht. Bezirksvorsteherin Doris Nottebohm sah sich nach einigen wenig zielführenden Redebeiträgen schließlich veranlasst, die Fragestunde zu beenden.

"Wir erwarten uns nicht sofort Antworten, aber im Nachhinein Stellungnahmen, wie sich die Politik hier im Stadtteil die Lösung vorstellt", machte Klaus Weichert deutlich. Einige Antworten gab es dennoch sofort. Im Vorfeld Stellung bezogen hatte bereits die CDU. Ratsfrau und Landtagskandidatin Britta Oellers hatte sich mit Beiträgen in sozialen Netzwerken ebenso wie die Junge Union Krefeld Süd-West bereits auf die Seite der Fischelner Schützen geschlagen. Für die CDU-Fraktion in der Bezirksvertretung Fischeln sei "der Erhalt des Schützenfestes auf dem Marienplatz wichtiger als eine Bebauung des Bunkers". Der Marienplatz, so habe man übereinstimmend festgestellt, sei für Fischeln identitätsstiftend, das Schützenfest "eine der Säulen unserer Gemeinschaft in Fischeln". Benedikt Lichtenberg, Sprecher der CDU-Bezirksfraktion erklärte: "Wir lehnen jede Bebauung ab, die Brauchtumsveranstaltungen wie das Schützenfest am Marienplatz gefährden würde." Grundsätzlich sei man aber schon für die Weiterentwicklung "unseres Ortes, indem gute Bauprojekte umgesetzt werden".

Johannes Eisenhuth (Linke) forderte, den Standort Marienplatz als Festplatz zu sichern.

Anja Cäsar (Grüne) zeigte sich über den Ablauf der Diskussion erstaunt, sie werde teils in unangemessener Weise geführt. Bereits zum Ende vergangenen Jahres hätten die Fraktionen und auch einige Vertreter der Schützen von dem Projekt Kenntnis gehabt, die "Hysterie", mit der man nun reagiere, sei unverständlich. "Brauchtum ist nicht unbedingt ein Konflikt zu Stadtentwicklung", sagte Cäsar. Sie appellierte, einen Kompromiss zu finden, der beides möglich mache. Der ganze Bezirk könne den Wohnraum mitten im Zentrum gut gebrauchen: "Wegen zwei Tagen im Jahr kann Stadtentwicklung nicht für immer verhindert werden."

Auch die SPD gab ein "klares Bekenntnis für den Dorfplatz" ab. Man wolle sich nicht, wie Parteigenosse Bernd Scheelen vorgeschlagen hatte, "Richtung Stahldorf auslagern lassen".


Auch Klaus Weichert hält diesen Vorschlag für "obsolet". "Fischeln braucht diesen zentralen Ort am Marienplatz als Begegnungsstätte für alle Fischelner." Ihm ist bewusst, dass das Bauvorhaben vielleicht nicht verhindert werden könne. "Die andere Frage ist die öffentliche Meinung dazu", meint Weichert. "Anzuregen, darüber nachzudenken, wie wichtig solche Veranstaltungen sind - Schützenfest, Königsvogelschießen oder auch das St. Martinsfeuer, das ja auch hier auf dem Marienplatz stattfindet. Die Politik ist gefragt, sich Gedanken zu machen, ob man eine Begegnungsstätte wie den Marktplatz Fischeln demnächst so einfriedet, dass hier nichts mehr stattfinden kann." Quelle: RP