Mehr Flüge in Düsseldorf

Foto BV

Foto BV

Stellungnahme der Stadt Krefeld - Antrag auf mehr Flüge in Düsseldorf

Erhebliche Bedenken gegen die Ausweitung des Flugbetriebs in Düsseldorf hat die Stadt Krefeld in ihrer Stellungnahme an die Bezirksregierung formuliert. Auch der Bürgerverein Fischeln war daran beteiligt. Trotz der ökonomischen Bedeutung des Verkehrsflughafens auf der anderen Rheinseite im Geschäfts-, Fracht-, Privat-, Urlaubs- und Touristikbereich, sieht Krefeld keine Möglichkeit, dem Antrag auf Kapazitätserweiterung zuzustimmen.

Im Gegenteil, die Kommune nimmt die Unterlagen des Flughafens sprichwörtlich auseinander, deckt Ungereimtheiten auf, korrigiert und kritisiert die nicht logischen und nicht nachvollziehbaren Schlussfolgerungen. Der Flughafen möchte an den acht verkehrsreichsten Stunden des Tages in den sechs verkehrsreichsten Monaten des Jahres die Zahl der Slots (Starts und Landungen) pro Stunde von 45 auf 60 erhöhen.

Zunächst macht die Stadt Krefeld deutlich, dass sie von einer Erweiterung der Betriebserlaubnis betroffen ist. Eine Anflugroute und drei Abflugrouten queren das Stadtgebiet. 37 Prozent aller Starts erfolgen demnach über Krefelder Gebiet und zum Teil in deutlich geringerer Höhe, als der Flughafen in seinen Berechnungen unterstellt. Somit sei der Lärm, dem die Einwohner ausgesetzt sind und werden, erheblich. Die anvisierten Abflughöhen werden laut Krefelder Expertise erst über dem Stadtgebiet erreicht. "Über den südlichen Gebieten werden geringere Flughöhen festgestellt", heißt es in der Stellungnahme. Die Bewohner in Fischeln, Oppum, Linn, Gellep-Stratum, Stahldorf, Lehmheide und Benrad sind betroffen. Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass rund ein Siebtel der Bevölkerung - 32.000 Menschen - unmittelbar durch den Lärm einer potenziellen Gesundheitsgefährdung ausgesetzt sind. Die Lärmbelastung sei bereits jetzt hoch, und weitere Flugbewegungen erscheinen nicht mehr zumutbar, schreibt der Beigeordnete Thomas Visser in der Stellungnahme der Stadt Krefeld im Verwaltungsverfahren nach dem Luftfahrtgesetz. Bei den Zahlenkonstruktionen in den Antragsunterlagen hat Krefeld ganz besonders genau hingesehen und erkannt, dass sich die Angaben mit den Unterlagen zum Teil nicht decken. Das heißt, Krefeld hat nachgerechnet und ist zu abweichenden Ergebnissen gekommen.

Der Flughafen begründet seinen Antrag mit der "Übernachfrage nach Slots in Spitzenzeiten". Die Stadt antwortet, dass die bislang vorhandenen Möglichkeiten noch nicht einmal ausgeschöpft seien. Es werde faktisch nicht eine Änderung für "sechs verkehrsreichste Monate", sondern für das ganze Jahr beantragt, ohne in den Berechnungen und Begründungen entsprechend zu argumentieren. Die Überschrift trifft nicht das, was der Antrag beinhaltet.

Krefeld bemängelt fehlende Informationen zum Fluglärm außerhalb der eng bemessenen Fluglärmzonen in Düsseldorf und Meerbusch. Hinsichtlich der Gesundheitsgefährdung durch Fluglärm stützt sich Visser auf die Studie der Berliner Charité. Die berichtet unter anderem von ausgeschütteten Stresshormonen, von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Magengeschwüren und Diabetes.

"Die Stadt lehnt die hier ganzjährig und unbegrenzt beantragte Kapazitätserweiterung des Flughafens Düsseldorf ab", schreibt Visser. Die Logik sei nicht nachvollziehbar, eine Beurteilung der Auswirkungen auf Krefeld anhand der unzureichenden Unterlagen unmöglich.

Quelle: RP

Flughafenausbau in Düsseldorf

Foto BVF

Foto BVF

Flughafen Düsseldorf legt neues Gutachten vor
Foto BVF

Foto BVF

Der Weg des Düsseldorfer Flughafens zu mehr Starts und Landungen geht in die nächste Runde. Die aktualisierten Dokumente für die geplante Kapazitätserweiterung wurden am Montag beim nordrheinwestfälischen Verkehrsministerium eingereicht, wie die Flughafenverwaltung mitteilte. Der Airport plant eine neue Betriebsgenehmigung, die in den Spitzenzeiten 60 Starts und Landungen stündlich ermöglichen soll. Heute sind maximal 47 Flugbewegungen pro Stunde erlaubt. Außerdem beantragt der Airport acht zusätzliche Abstellpositionen für Flugzeuge auf dem Vorfeld in Düsseldorf.

Ursprünglich hatte die Flughafengesellschaft die Antragsunterlagen bereits im Februar 2015 beim Verkehrsministerium vorgelegt. Diese beinhalten diverse Gutachten, Prognosen und Pläne. Mitte des vergangenen Jahres hatte das SPD-geführte Ministerium dann allerdings überraschend diverse Anpassungen in den Unterlagen gefordert. "Dieser Bitte ist der Flughafen nun nachgekommen, indem die Gutachten aktualisiert und ergänzt wurden. Da die Einzelgutachten aufeinander aufbauen, nahm die Überarbeitung mehrere Monate in Anspruch. Der eigentliche Antragstext war nicht Gegenstand der Aktualisierung", teilte die Flughafenverwaltung dazu mit. Die Antragsziele selbst blieben unverändert, hieß es. Der Airport betont, er habe weiterhin großes Interesse an einer starken Beteiligung der Bürger an dem aktuellen Planfeststellungsverfahren.

Jetzt wird die Behörde von Verkehrsminister Michael Groschek die eingereichten Unterlagen erneut auf "Vollständigkeit und Auslegungsreife" prüfen. Mit anderen Worten: Nachdem der Ball nun mehrere Monate bei der Flughafenverwaltung gelegen hat, ist jetzt der Minister unter Zugzwang. Experten gehen davon aus, dass die erneute Prüfung wieder mehrere Wochen in Anspruch nehmen wird.

Das aber ist nur einer von vielen weiteren Schritten. Denn nach der nächsten Prüfung wird laut Planfeststellungsverfahren die Öffentlichkeit einbezogen. Konkret heißt das, die sogenannten Träger öffentlicher Belange dürfen die Unterlagen einsehen und dann dazu eine schriftliche Stellungnahme abgeben. Neben den Bürgern selbst, meist vertreten in Heimatvereinen oder Initiativen, werden auch verschiedene Behörden und Gemeinden beteiligt.

In Meerbusch wie im gesamten Umland Düsseldorfs wird die geplante Kapazitätserweiterung kritisch beäugt. Die Meerbuscher Initiative "Bürger gegen Fluglärm" mit rund 6000 Mitgliedern befürchtet, dass eine Genehmigung mehr Flüge bei Nacht zur Folge hat, weil sich der Flugverkehr in Spitzenzeiten zu sehr ballt. In der gestrigen Mitteilung des Flughafens heißt es hingegen: "Eine Änderung der bestehenden Nachtflugregelung ist nicht Gegenstand des Antrags. Auch der Angerlandvergleich, eine seit über 50 Jahren bestehende Vereinbarung mit Nachbargemeinden, bleibt gewahrt." Zusammen mit den Airlines habe der Airport seit 2003 bereits rund 71 Millionen Euro in passive Schallschutzmaßnahmen in der Nachbarschaft investiert. Weitere 20 Millionen Euro würden bei einer Erteilung der neuen Genehmigung folgen - für Anwohnerschutz und die Instandhaltung von Lärmschutzmaßnahmen.

Der Flughafen argumentiert komplett anders als die Fluglärmgegner. Dort geht man davon aus, dass es durch mehr Starts und Landungen in den Spitzenzeiten zu einer Entzerrung und damit zu weniger Flügen in der Nacht kommt. Das aber halten die Fluglärmgegner tendenziell für falsch. Quelle RP 3/16

Umweg über Krefeld bleibt

Grafik: WZ

Fluglärm: Umweg über Krefeld bleibt
Der CDU-Politiker für Krefeld im EU-Parlament, Karl-Heinz Florenz, drängt auf eine Veränderung der Flugroute Modru ab Flughafen Düsseldorf über Krefeld. Die Deutsche Flugsicherung räumt dem Vorstoß nur wenig Chancen ein. Auch über 2013 hinaus werden Krefelder im Süden und Westen der Stadt mit dem Lärm von Flugzeugen leben müssen, die aus Richtung Flughafen Düsseldorf kommen.

Wegen zeitlicher Verzögerungen beim Ziel eines einheitlichen europäischen Luftraums ist eine Verschiebung der Flugroute Modru 5 T, die Krefeld eigentlich schon Ende vergangenen Jahres entlasten sollte, nicht in Aussicht. Dies hat der CDU-EU-Abgeordnete für den Niederrhein, Karl-Heinz Florenz, nach einer Anfrage bei Europäischen Kommission mitgeteilt. Bürgerinitiativen im Krefelder Westen, Meerbusch und Tönisvorst kämpfen für eine Verlegung der Route. Seit Jahren sind die Stadt Krefeld sowie andere Städte im Umkreis von Fluglärm betroffen, der durch die am Flughafen Düsseldorf geflogene Umwegroute Modru 5 T entsteht. Hintergrund: Flugzeuge, die aus Deutschland kommen, müssen beim Punkt Modru, wenn sie belgischen Luftraum erreichen, eine Höhe von 8 600 Meter haben. Zur Erreichung dieser Höhe müssen sie in Deutschland einen Umweg von 60 Kilometern fliegen - nach dem Start des Flugzeugs am Düsseldorfer Airport zunächst geradeaus, vor dem Bundesautobahn-Kreuz Kaarst in einer Rechtskurve nach Nordwesten, zwischen Osterath und Willich über die Edelstahlwerke Krefeld und den Ostrand von St .Tönis, dann in einer Linkskurve nördlich um Kempen herum in südwestliche Richtung zum Wegepunkt Modru bei Heinsberg. Dies sorgt nicht nur für Lärmbelastung, sondern setzt zusätzliches CO2 frei und schädigt das Klima, argumentiert Dietrich Aeuer von der Tönisvorster Initiative gegen Fluglärm.

Beim Thema Fluglärm muss Fischeln zusammenstehen von Benedikt Lichtenberg
(Vorsitzender der CDU-Fraktion in der Bezirksvertretung Fischeln und Mitglied des Rates der Stadt Krefeld)

Die Düsseldorfer Flughafengesellschaft gibt sich einige Mühe, ihren Kritikern den Wind aus den Tragflächen zu nehmen. Das zumindest muss man zugestehen, und dafür gebührt den Betreibern auch ehrlich empfundene Anerkennung.

Immerhin setzt man sich mit Kritikern sachlich auseinander – selbstverständlich ist das nicht. Die Fakten, wie sie der Flughafen schildert, sind dabei die Folgenden:
Die Fluglärmbelastung ist in den vergangenen Jahren eher zurückgegangen als angewachsen. Nach 228.000 Bewegungen im Jahre 2008 befindet sich der Airport Düsseldorf seither im Sinkflug. Allein zwischen 2012 und 2013 hat sich sie Zahl der Starts um mehr als sieben Prozent verringert. Zudem spielt den Anwohnern in die Hände, dass heute deutlich leisere Maschinen auf dem Markt sind, während ältere und damit lautere Modelle ausrangiert wurden. Zudem starten und landen Flugzeuge hauptsächlich gegen den Wind – und damit zumeist über Lohhausen oder über Tiefenbroich. Das vergangene Jahr habe aufgrund ungünstiger Windströme eine Ausnahme gebildet, so der Flughafen – zu 34 % habe man Ostwindlagen gehabt und daher mehr Starts in die entgegengesetzte Richtung verzeichnen müssen.

Von den Weststarts streiften rund 27 % auch Gellep-Stratum; maximal zwei Prozent erfassten auch den Stadtbezirk Fischeln. Nun mag das die Perspektive der reinen Fakten sein. Die Aufgabe der Politik ist jedoch noch eine andere: Sie muss auch den subjektiven Wahrnehmungen der Menschen Rechnung tragen. Zum Vergleich zwei Beispiele aus der Kommunalpolitik: Laut Polizei ist der Krefelder Theaterplatz „kein Kriminalitäts-schwerpunkt“. Unsere Bürger sehen das anders: Sie beobachten offenen Drogenhandel und verlangen zu Recht ein aktiveres Vorgehen.
Oder nehmen wir das Thema Wohnungseinbrüche: Sie sind in unserer Stadt zuletzt deutlich zurückgegangen, die Aufklärungsquote hat sich verdreifacht. Doch die Leute sind besorgt – das kann die Politik nicht ignorieren. Und so ist es auch mit der subjektiv wahrgenommenen Lärmbelastung durch den Düsseldorfer Flughafen: Die Menschen in Fischeln können keinen Rückgang erkennen, im Gegenteil.

Nicht wenige klagen mir, dass sie morgens durch Fluglärm aus dem Bett geworfen werden und spät abends aus denselben Gründen nicht einschlafen können. Doch jenseits des „Subjektiven“ gibt es nun Anzeichen dafür, dass der Flughafen auch objektiv zu einem neuen Start ansetzt – mit der geplanten Kapazitätserweiterung auf bis zu sechzig Flugbewegungen pro Stunde. Deren Zahl ist bislang auf fünfundvierzig begrenzt. Dieses Begehren entspricht den Vorhaben der „Kommission für ein nationales Luftverkehrskonzept“, die selbst in einer Überschrift des wirtschaftsfreundlichen „Handelsblattes“ als „gut getarnter Lobbybeitrag“ skizziert werden. Kein Wunder, dass sich da die „Lufthansa“-Aktien gut entwickeln. Doch die Anwohner starren ins Luftloch. Denn auch das bisherige Nachtflugverbot in Düsseldorf soll aufgeweicht werden.

Dabei kommt selbst der Flughafen Frankfurt mit einer entsprechenden Regelung bestens zurecht. Doch in Düsseldorf sollen nun mehr Starts und Landungen am frühen Morgen
und am späten Abend her – und genau das ist es, was die Anwohner jetzt schon beklagen. Die Unterstützung des nordrhein-westfälischen Verkehrsministers hat die Betreibergesellschaft bereits. Nun hat sich der Chef des Düsseldorfer Flughafens, Thomas Schnalke, in Krefeld einer Diskussion mit Bürgern gestellt. Dafür verdient er Anerkennung und Respekt. Ich habe dabei die Gelegenheit genutzt, ihm noch einmal die Sorgen der Fischelner vorzutragen. Insbesondere habe ich auch die Aufstellung zusätzlicher Messgeräte verlangt. Ich bin gespannt, ob die Betreiber diesem Ansinnen entsprechen werden. Denn möglicherweise werden solche Anlagen Erkenntnisse zu Tage fördern, die bislang noch keine Berücksichtigung gefunden haben.
In jedem Fall wird die Kommunalpolitik am Thema dranbleiben. In der jüngsten Ratssitzung haben wir eine Resolution gegen mehr Lärmbelastung verabschiedet. Nur wenn wir entschlossen für unsere Interessen einstehen, haben wir auch die Chance, Gehör zu finden.
Quelle: FiWo

Noch mehr Flugbewegungen

Die Fluglärm-Gegner reagieren empört auf die absehbare Vorentscheidung. Christoph Lange, Sprecher der Initiative "Bürger gegen Fluglärm", sagte: "Der Verkehrsminister hat sich als Chef der Genehmigungsbehörde neutral zu verhalten." Lange drohte: "Wir werden das Genehmigungsverfahren sehr genau beobachten und im Zweifel einen Befangenheitsantrag stellen."

Auch die Nachbargemeinden richten sich auf einen Rechtsstreit mit dem Land ein. "Es gibt bereits eine Arbeitsgruppe der Anrainer-Gemeinden, die Vorbereitungen für eine mögliche Klage trifft", sagte die Bürgermeisterin von Meerbusch, Angelika Mielke-Westerlage (CDU). In einer Fluglärmkommission hatten gerade erst zwei Drittel der Nachbargemeinden gegen die Kapazitätserweiterung gestimmt.

In Köln wollte die rot-grüne Landesregierung noch bis Februar zugunsten der Anwohner ein Nachtflugverbot für Passagierflugzeuge durchsetzen, scheiterte damit aber an der Bundesregierung. In Düsseldorf ist der Widerstand des Regierungslagers gegen die Ausbaupläne des Flugbetriebes deutlich kleiner. Der Frage nach ihrer Position in diesem Punkt weicht die SPD-Fraktion aus und verweist auf den Minister. Nur die Grünen lehnen die Kapazitätserweiterung klar ab. Konkrete Maßnahmen zur Unterstützung der Anwohner wie im Fall Köln, wo die Grünen sogar den Rechtsweg anstreben wollten, haben sie in Düsseldorf bislang aber nicht ergriffen.

Foto BVF

Foto BVF

Städte bereiten sich auf Klagen vor

Air Berlin plant bereits mehr Flüge ein

Die Anzeichen verdichten sich, dass es in Düsseldorf künftig mehr Flüge geben darf. Air Berlin hat die neuen Zeitfenster schon fest eingeplant. Die Anrainer-Kommunen wollen das nicht hinnehmen.

Offiziell entscheidet NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) frühestens 2017. Aber faktisch sind die Würfel wohl schon gefallen: Der Minister will den Antrag des Düsseldorfer Flughafens auf deutlich mehr Flugverkehr offenbar durchwinken. Demnach müssen die Anwohner-Gemeinden mit dem Lärm von gut 50 zusätzlichen Flügen pro Tag rechnen - zu Spitzenzeiten soll die Zahl der möglichen Starts und Landungen pro Stunde von 47 auf 60 steigen.

Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft richtet ihren Flugplan bereits darauf aus: "Wir planen fest mit den neuen Möglichkeiten in Düsseldorf ab dem Jahr 2017, wenn die neue Betriebsgenehmigung gilt", sagte der neue Air-Berlin-Chef Stefan Pichler im Interview mit unserer Zeitung. Nach geheimen Gesprächen mit Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) Ende Februar und Flughafenchef Ludger Dohm Anfang dieser Woche ist Pichler nach eigenen Angaben nun "sicher, dass der Flughafen mehr Starts und Landungen genehmigt bekommt".

Verkehrsminister Groschek selbst hatte Ohrenzeugen zufolge schon beim Neujahrsempfang des Flughafens angedeutet, dass er einer Kapazitätserweiterung positiv gegenüberstehe. Sein Ministerium bestreitet das und betont, dass sich Groschek vor Beendigung des Verfahrens dazu nicht öffentlich äußert. Vorgesehen sind noch mehrere Anhörungen und Erörterungen. Auch der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) gilt als Befürworter der zusätzlichen Flugbewegungen. Die Stadt Düsseldorf ist Miteigentümerin des Flughafens.

Airportpläne

Airportpläne

Was der Flughafen Düsseldorf will
Auf der ersten Startbahn dürfen 43 Flugzeuge pro Stunde starten oder landen. Das soll bleiben. Die zweite darf nur an acht Stunden pro Tag zusätzlich genutzt werden, die in der Vorwoche angemeldet werden müssen. Die Anmeldung soll wegfallen. Statt der bisher erlaubten 45 Flüge sollen künftig im Zweibahnbetrieb 60 Flüge pro Stunde erlaubt sein. Das weitgehende Flugverbot von 23 bis 6 Uhr bleibt.

Foto BVF

Foto BVF

Verwirrung um Minister-Aussage zu Flughafen
Verkehrsminister Groschek hat "kein Problem" mit dem Wunsch des Flughafens nach mehr Flügen. Sein Ministerium rudert zurück.

Erstmals zeigt sich NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) offen für eine Ausweitung der Flugbewegungen am Düsseldorfer Flughafen innerhalb der bestehenden Flugzeiten. Bei einer Infrastrukturveranstaltung antwortete der Minister am Donnerstagabend auf eine entsprechende Frage: "Damit habe ich kein Problem." Die Bemerkung fiel nach der Veranstaltung, als Groschek noch in kleiner Runde mit Fachleuten beisammen stand. Gestern ruderte das Ministerium jedoch zurück. Der Minister habe "sich nicht zu dem Ansinnen des Flughafens geäußert und wird dies auch derzeit nicht tun", sagte ein Sprecher. Bei dem Zitat müsse es sich um ein "Missverständnis" handeln.

Die Aufregung im Ministerium ist verständlich, denn das Votum des Ministers ist entscheidend. Außerdem hat der Flughafen Düsseldorf bislang auch nur angekündigt, dort eine Änderung der aktuellen Betriebsgenehmigung beantragen zu wollen. Der Antrag selbst liegt noch gar nicht vor. Entsprechend kann Groscheks Bemerkung auch nicht als Vorentscheidung gewertet werden.

Ziel des angekündigten Flughafen-Antrages ist, dass die durchschnittliche Zahl der täglichen Flugbewegungen in Düsseldorf von derzeit 600 pro Tag schrittweise auf 690 pro Tag im Jahr 2026 steigen soll. Zwischen dem Antrag und Groscheks Entscheidung steht ein langwieriges Planfeststellungsverfahren, bei dem der Minister auch die Bedenken der betroffenen Bürger und Kommunen anhören muss. Deshalb war Groschek im Januar in einem Interview mit unserer Zeitung auch betont vorsichtig: "Mein Ministerium ist Genehmigungsbehörde; ich darf mich zurzeit dazu nicht äußern", sagte er damals, und schloss eine Aufweichung des Nachtflugverbotes bereits aus. Allerdings sei es an der Zeit, dass "die Betriebs- und Wachstumsbeschränkungen für die deutschen Flughäfen überprüft werden".

Das Ministerium erwartet den Antrag des Flughafens im Sommer. Der Sprecher sagte gestern: "Wir lassen gerade die letzten Gutachten erarbeiten." Zur Dauer des Genehmigungsverfahrens zitiert Groscheks Sprecherin eine Faustformel: "Solche Verfahren sind unterhalb von zwei Jahren nicht durchzuführen." Der Flughafen will vor allem seine beiden Landebahnen flexibler nutzen können. Bislang muss er jede einzelne Stunde, in der er die zweite Bahn nutzen will, eine Woche im Voraus ankündigen. Wenn Streiks oder schlechtes Wetter die Nutzung dann unmöglich machen, verfällt das beantragte Kontingent.

Ergebnis: Von den derzeit maximal erlaubten 256 000 Starts- und Landungen pro Jahr kann der Flughafen faktisch nur 219 000 pro Jahr nutzen. Diese Zahl soll bis 2026 auf 252 000 pro Jahr steigen. Der Flughafen begründet den Wunsch mit der angeblich starken Nachfrage der Airlines nach mehr Kapazitäten in Düsseldorf und mit dem Wirtschaftswachstum des Landes, an das der Landeshauptstadtflughafen seine Kapazitäten anpassen müsse. Christoph Lange, Sprecher der Initiative "Bürger gegen Fluglärm", hält diese Argumente für Unsinn. "Düsseldorf fliegt seit dem Jahr 2000 konstant rund 180 Flugziele an. Wo ist denn das Wachstum?", fragt er. Auch die Flugbewegungen in Düsseldorf seien seit 2008 rückläufig, weil die Fluggesellschaften das Passagierwachstum mit größeren Flugzeugen auffangen würden. Zudem sei die zweite Landebahn nach aktueller Rechtslage ausdrücklich nur als "Ersatzbahn" ausgewiesen. "Die im Regelverkehr einzuplanen, ist verboten", sagt Lange. Quelle: RP

Flachstartverfahren

Um Treibstoff zu sparen, bleiben manche Flugzeuge beim Aufstieg in die Luft deutlich länger nah über dem Boden als andere. In letzter Zeit häufen sich deshalb wieder die Beschwerden über den Fluglärm über Fischeln. Gerade an den Wochenenden klagen viele Menschen über mehr Lärm. Mehr als ein Drittel aller Starts des Düsseldorfer Flughafens erfolgen schließlich über Krefelder Gebiet. Mit Schuld ist das häufiger praktizierte, sogenannte Flachstartverfahren, das von einigen Fluggesellschaften angewandt wird. Interessant ist dabei, dass die ausländischen Gesellschaften den international seit Jahren üblichen sogenannten Steilstart durchführen, um schneller und lärmschonender Höhe zu gewinnen."

Diese „Art zu starten“ ist kostengünstiger, aber mit mehr Lärm, gerade über dicht besiedeltem Gebiet, verbunden. Die Maschinen gewinnen in einer Höhe von etwa 300 Meter dadurch mehr an Geschwindigkeit als an Höhe. Messungen haben auch eine höhere Feinstaubbelastung ergeben.

Feinstaub durch Flugzeuge

Feinstaub durch Flugzeuge

Eigentlich ist die Bekämpfung des Lärms Hauptziel der Initiative Bürger gegen Fluglärm in Meehrbusch. Dieses verfolgen Sie seit Jahren äußerst streitbar. Mithilfe der Leidensgenossen im Umfeld des Frankfurter Flughafens haben sie nun einen neuen Kritikpunkt ausgemacht, und versuchen ihn wissenschaftlich zu belegen: Feinstaub durch die startenden, landenden und wartenden Flugzeuge. Die Eckpunkte des Problems:

Wieviel Feinstaub verbreiten Flugzeuge am Airport? Einfache Frage, gar keine leichte Antwort. Wer beginnt, sich mit dem Thema zu beschäftigen, kommt zu dem Ergebnis, dass ein Diplom in Chemie oder besser ein Doktortitel am ehesten weiter helfen könnte. Denn die Belastungen sind vielfältig und wenig trivial. Daher fangen wir mit der in dieser Hinsicht und mit dieser Aussage am ehesten glaubwürdigen Quelle an: dem Flughafen selbst. "Flughäfen und der damit verbundene Flugverkehr sind unbestritten auch Quellen von Luftschadstoffen", teilt der Airport Düsseldorf auf Anfrage mit. Das ist glaubwürdig, aber wohl eher eine Binsenweisheit.

Was wurde konkret gemessen? Christoph Lange, Vorsitzender des Vereins Bürger gegen Fluglärm hat nach eigenen Angaben an mehreren Tagen im Oktober an verschiedenen Messpunkten in Lohausen, Meerbusch-Büderich, Ratingen und Essen Messungen durchgeführt. Dazu lieh sich der Verein bei anderen Fluglärmgegnern aus dem Raum Frankfurt einen so genannten TSI-Zähler aus. Das Ergebnis: Die Werte am Kindergarten Niederrheinstraße 128 (Jonakirche) sind mit 131.000 Ultrafeinstaub-Partikeln hoch. "Aber auch die Werte in Wohngebieten rund um den Flughafen fallen ins Auge. So wurden südwestlich des Flughafens in der Lilienthalstraße bis zu 189.000 Teilchen gemessen, Am Goldregenweg immerhin mehr als 60.000 Partikel. Auch die Wohngebiete in Meerbusch-Büderich, Ratingen (jeweils über 30.000 Partikel) und Essen (bis zu 15.000) zeigten eine Vervielfachung der Grundbelastung", sagt Lange. Dabei stiegen die Werte jeweils zwei Minuten nach dem Überflug. "Am Flughafen selbst arbeiten Menschen ohne Schutz bei bis zu 500.000 Partikeln", sagt Lange.

Wie ist der Vergleich zur Stadt? Am stärksten belastet gilt die Corneliusstraße in Friedrichstadt. Die Grundkonzentrationen liegt bei 6000 bis 8000 Partikeln Ultrafeinstaub pro Kubik-Zentimeter Luft, also weniger als am Airport. Ein vorbeifahrender Lkw erzeugte bei Tests einen Spitzenwert von 50.000 Teilchen.

Ist die Erhebung wissenschaftlich? Schwer zu sagen. Das Problem, sagt Umweltmedizinerin Barbara Hoffmann, die ein Gutachten im Auftrag der Lärmgegner erstellt hat: Die Werte seien aufgrund von Windrichtung, Wetterlage und anderen Faktoren noch zu ungenau, um allgemeingültige Aussagen treffen zu können. "Eine systematische Erfassung der Belastung mit Ultrafeinstäuben im Einwirkungsbereich des Flughafens Düsseldorf ist daher sinnvoll", schreibt die Professorin in ihrem Gutachten.

Was meint der Flughafen? Der verweist auf eigene freiwillige Messungen und sagt, der Beitrag des Flughafens an der Luftqualität in der Umgebung sei nur gering und nehme mit steigender Entfernung ab, sieht neben dem Flugverkehr auch Lkw und Industrie als Verursacher.

Wie geht es weiter? Forscher suchen nach einheitlichen Messverfahren.

Quelle: RP 11/2016

Die Lärmbelastung steigt deutlich auch in Fischeln

Foto BV

Foto BV

Die Bewohner südwestlich vom Düsseldorfer Flughafen können sich auf deutlich unruhigere Zeiten gerade zum Start des Wochenendes einstellen. Zu keiner Zeit der Woche als samstags früh übersteigt bisher die Zahl der beantragten Flugbewegungen ("Slots") deutlicher die Zahl der erlaubten Flugbewegungen. Dies zeigt der Antrag der Fluggesellschaften auf Kapazitätserweiterung. Bisher dürfen in Düsseldorf regulär nur 45 Maschinen pro Stunde starten, künftig sollen es aber bis zu 60 Maschinen sein. Hintergrund ist, dass dank Digitaltechnik Starts und Landungen enger getaktet werden können als früher. Die Antragsunterlagen zeigen: Die Zeiten eines ruhigen Samstags sind in manchen Gegenden, z.B. auch in Fischeln, vorbei. Auch in den Morgenstunden zwischen 6 - 7 werden erhöhte Lärmbelastungen entstehen. Bisher waren in dieser Zeit nur bis zu 36 Starts möglich. Dies wurde in der Informationsveranstaltung im Februar 2014, auf Nachfrage des Bürgervereins, ausdrücklich bestätigt. Aus unserer Sicht stellen die jetzt in der Ausgabe der Rheinischen Post dargestellten Werte für die Bewohner des Krefelder Süden eine nicht hinnehmbare zusätzliche Lärmbelastung dar. Insbesondere unter dem Aspekt, dass in den kommenden Jahren mit Fischeln Südwest ein großes Wohngebiet entstehen soll. Die Stadt Krefeld bereitet eine Stellungnahme unter Beteiligung der Bürgervereine vor. Wohl erst nach der Landtagswahl im Mai 2017 wird das NRW-Verkehrsministerium entscheiden, ob die Erweiterung der Kapazitäten genehmigt wird. Der Antrag wird also automatisch Wahlkampfthema, obwohl SPD und CDU bei dem Thema noch taktieren. Quelle RP

Mehr als 60 Maschinen würden die Fluggesellschaften im Sommer gerne direkt ab 6 Uhr früh am ersten Tag des Wochenendes abheben lassen, steht in der Anlage des Antrages unter Verweis auf Zahlen aus 2015. Doch bisher sind pro Stunde regulär nur 45 Starts und Landungen erlaubt. Weil laut Vorschlag des Flughafens künftig aber 58 Flugbewegungen plus zwei außerplanmäßige Starts erlaubt sein sollen, ist klar, wie stark der Flugbetrieb gerade Samstagfrüh anziehen wird. "Das ist für die Anwohner schon eine harte Belastung", sagt Christoph Lange, Vorsitzender des Vereins Bürger gegen Fluglärm. Anders sieht die Lage dagegen Ludger Dohm, einer der zwei Geschäftsführer des Düsseldorfer Flughafens: "Wir folgen mit unserer Strategie dem Bedarf von Millionen Menschen und der Fluggesellschaften. Darum beantragen wir die neuen Kapazitäten."

Die Zahlen zeigen, wie heftig die Diskussion über die geplante Kapazitätserweiterung des Flughafens noch werden könnte. Ende dieser Woche sollen 800 Ordner mit den Antragsunterlagen in den betroffenen Gemeinden ausgelegt werden - aber die meisten Informationen zum Antrag sind bereits auf der Online-Seite des Flughafens zu finden. So erläutert die Düsseldorfer Flughafengesellschaft in den Papieren genau, dass es in ganz Europa nur die vier Flughäfen London-Heathrow, London-Gatwick, Paris Orly und Mailand-Linate gibt, bei denen die Nachfrage nach Flugrechten das Angebot so wie in Düsseldorf übersteigt. Und während das Management nachvollziehbar belegt, dass die Wirtschaft von NRW auf bessere Flugverbindungen angewiesen ist, zeigen die Unterlagen auch, dass es ebenfalls um viele Ferienflüge geht. "Die hohe Nachfrage zum Start des Wochenendes hat wohl wenig mit den Terminen von Managern zu tun", sagt der grüne Landtagsabgeordnete Arndt Klocke, "das bestärkt uns beim Vorschlag, Urlaubsflüge teilweise hin zu Regionalflughäfen in weniger besiedelten Gegenden zu verlagern."

Dabei zeigen die beantragten Flugrechte, wie eng getaktet die Airlines arbeiten. Täglich geht die erste Welle an Jets ganz früh raus. Um zehn und elf läuft die zweite Welle - dann landen viele am Morgen woanders gestartete Maschinen. Der Nachmittag ist ruhig, doch zwischen 18 und 20 Uhr schweben via Essen und Ratingen massenhaft Maschinen wieder ein - von der Autobahn A52 lassen sich oft fast zehn Jets hintereinander wie an einer Perlenkette beobachten.
Die Kette soll nun morgens und abends noch dichter werden. Hintergrund ist, dass dank Digitaltechnik Starts und Landungen enger getaktet werden können als früher. Dabei erschwert der enge Rhythmus die Verlagerung von Flügen an kleinere Airports. "Um Kosten zu sparen, konzentrieren die Airlines Kapazitäten an größeren Flughäfen", sagt der Hamburger Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt, "da kriegen die auch für weniger populäre Ziele die Maschine voll."

Wohl erst nach der Landtagswahl im Mai 2017 wird das NRW-Verkehrsministerium entscheiden, ob die Erweiterung der Kapazitäten genehmigt wird. Der Antrag wird also automatisch Wahlkampfthema, obwohl SPD und CDU bei dem Thema noch taktieren.

Quelle: RP 24.05.16, Reinhard Kowalewski