61,4 ha neue Wohngebiete in Fischeln

Offenlage des Flächennutzungsplanes

Nach dem Entwurf des neuen Flächennutzungsplanes sollen von Krefelds 127,3 ha neuen Wohnbauflächen 61,4 ha in Fischeln ausgewiesen werden (Im Witschen, Friedhof, Fischeln-Ost, Fischeln-Südwest). Bei geplanten 4.200 Wohneinheiten (WE, entspricht einem Haushalt) im Außenbereich Krefelds wären das rund 2.000 neue Wohnungen in Fischeln. Zum Vergleich: von 2000 bis 2010 entstanden 709 neue WE in Fischeln.

Nördlich der A44, im Bereich östlich des Gewerbeparks Fichtenhain und der Anschlussstelle Fischeln/Osterath ist ein Gewerbestandort mit 61,65 ha vorgesehen. Westlich des Baggersees an der Bahnstrecke Krefeld-Köln, südlich der Gärtnerei Theuerkauf, ist eine Fläche für Windenergieanlagen ausgewiesen.
Und Fischeln wird durch den äußeren Freiflächenring für Radfahrer und Fußgänger unabhängig von verkehrswichtigen Straßen angebunden. Die Schwerpunkte der Siedlungsentwicklung sollen das Stadtteilzentrum Fischeln stärken (Seite 56 ff der Begründung). Damit wird Fischeln in der Funktionen eines Stadtteilzentrums zu einem B-Zentrum (Neben- bzw. Mittelzentrum) aufgewertet (Seite 42 ff der Begründung).

Dieser Planentwurf liegt im Detail zu jedermanns Einsicht öffentlich aus:
Noch vom 7. Januar bis 1. März 2013 einschließlich
, und zwar von

Montag bis Freitag vormittags von 08.30 Uhr bis 12.30 Uhr,
Montag bis Mittwoch nachmittags von 14.00 Uhr bis 16.00 Uhr,
Donnerstag nachmittags von 14.00 Uhr bis 17.30 Uhr

beim
Oberbürgermeister der Stadt Krefeld
Fachbereich Stadtplanung,
Konrad-Adenauer-Platz 17
Zimmer 494

Ebenso kann im Rathaus Fischeln Einsicht genommen werden; dort hängt der Plan ebenfalls aus, nebst Begründung und Umweltbericht.

Auch über das Internet besteht die Möglichkeit nebst Download unter http://www.krefeld.de/fnp

Fischelner Bürgerinnen und Bürger sollten ihre Anregungen zum Entwurf des Flächennutzungsplanes äußern. Aber nicht nur in Lesebriefen und Diskussionen, sondern so, dass sie auch bei der Stadtverwaltung wahr genommen werden.

Innerhalb der erwähnten Auslegungsfrist können Stellungnahmen abgeben werden, entweder schriftlich oder zur Niederschrift bei der Stadt Krefeld (zweckmäßigerweise beim Fachbereich Stadtplanung, Konrad-Adenauer-Platz 17, 47803 Krefeld) oder über ein Online-Formular. Dies ist auch über die o. g. Internetadresse erreichbar.

Gedanken und Fragen zum Entwurf

Grundsätzlich ist zu begrüßen, dass neue Wohngebiete in Außenbezirken errichtet werden, die bereits über eine gute Infrastrukur und über Straßenbahnen (K-Bahn) und Autobahnanschlüsse (A 44) verfügen. Wenn dann noch das Stadtteilzentrum Fischeln gestärkt wird, ist das positiv für den Erhalt von Kindergärten Schulen, Arbeitsplätzen und Einzelhandel. Und die Grünflächen, für Radfahrer und Fußgänger erschlossen durch den geplanten Freiflächenring, sowie vielfältige Angebote von Vereinen machen Fischeln attraktiv und lebenswert.

Mit der K-Bahn kommt man nach Düsseldorf und Krefeld zur Arbeit, leider nicht nach Fischeln, um die Dinge des täglichen Bedarfs zu decken. Wie kann das Fischelner Zentrum von 2.000 neuen Haushalten erreicht werden? Fahrrad ist eine Möglichkeit, viel häufiger wird aber das Auto genutzt werden. Die Parkplatzsituation in Fischelns Zentrum ist bereits heute nicht zum besten bestellt.

Aber es bestehen Alternativen für Neu-Bürger, z.B. in Fischeln-Ost über die Oberbruchstraße und Hafelsstraße um den Einkauf "auf der grünen Wiese" im "Einkaufspark" an der Hafelsstraße zu erledigen. Aber, ist damit das Ziel, das Stadtteilzentrum Fischeln zu stärken noch hinreichend gesichert? Und benötigen wir dann in einer später möglichen Änderung des FNP dann doch die West- als auch die Ostumgehung, weil Fischelns Zentrum verkehrlich überhaupt nicht mit genügend Stellplätzen erreichbar ist?

Leider sind die Aussagen zum Stadtteilkonzept im Entwurf des FNP wenig konkret. Warum wird nicht gefordert, dass die im Konzept dargestellten Entwicklungen für Fischelns Zentrum mit der Möglichkeit der Schaffung von Stellplätzen und Wohnraum erst im Rahmen von Bebauungsplänen umzusetzen sind, bevor neuer Wohnraum im Außenbereich entsteht. Dann wäre das Zentrum auch für Fischeln-Südwest eine Alternative, es könnte dringend benötigter seniorengerechter Wohnraum geschaffen werden und das Zentrum wäre gestärkt.

Nutzen Sie die Möglichkeit, Ihre Anregungen bei der Stadtverwaltung einzubringen.
Ihr Bürgerverein Krefeld-Fischeln e.V.

Mehr Häuser würden Fischeln gut tun

Interview mit Reiner Schütt

"Neue Baugebiete müssen an den Ortskern gut angebunden werden"
Der Vorsitzende des Bürgervereins Fischeln plädiert dafür, die neuen Baugebiete besser an den Ortskern anzubinden.


Herr Schütt, der Entwurf des Flächennutzungsplans sieht für Fischeln Neubaugebiete für rund 2000 neue Einwohner vor. Soll Fischeln weiter wachsen?

Schütt Ein paar Häuser mehr würden Fischeln gut tun, genauso wie Krefeld insgesamt, denn jeder Bürger der nach Fischeln zieht, bringt auch der Stadt Krefeld Geld, das ist nun mal so. Aber wenn Fischeln, zum Beispiel durch das Ausweisen neuer Baugebiete, weiter wachsen soll, so sollten zuerst die entsprechenden Voraussetzungen geschaffen werden.

Zum Beispiel?

Schütt Die Frage ist immer: Wie kommen die Leute ins Dorf? Die Neubaugebiete sind mittlerweile doch schon recht weit vom Fischelner Ortskern entfernt, die meisten Anwohner benutzen nicht das Rad, sondern das Auto, um nach Fischeln zu fahren. Und das ist genau das Problem: Verkehrschaos und zu wenig Parkplätze.

Glauben Sie, dass das Stadtteilkonzept, das mal entwickelt wurde, eine Chance hat?

Schütt Nein, das ist wohl mehr eine Vision. Man hatte z.B. die Idee, dass in nicht genutzten Hinterhöfen Parkplätze entstehen könnten, aber diese Ideen wurden nie weiter verfolgt.

Rechnen Sie mit einer Verkehrsberuhigung der Kölner Straße?

Schütt So lange die Kölner Straße B9 bleibt und nicht umgewidmet ist, gibt es wenige Möglichkeiten für Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung. Was kommt, sind ja die Flüsterschienen für die Straßenbahn, die Bauarbeiten sollen noch in diesem Jahr beginnen. Und dann kommen auch endlich die kleinen Pflastersteine weg, der Belag soll dann so ähnlich werden, wie auf der Gladbacher Straße. Das wird wenigstens in Sachen Lärm schon mal eine große Verbesserung sein.

Wie sieht es denn mit dem öffentlichen Nahverkehr aus?

Schütt Eine Busanbindung der Neubaugebiete wäre schon wünschenswert, aber die steht im SWK-Plan leider erst mal nicht drin.

Haben Sie Sorge, dass Fischeln zum Nobelvorort von Düsseldorf wird?

Schütt Nein, das glaube ich nicht. Die, die wirklich viel Geld haben, werden wahrscheinlich nicht nach Fischeln ziehen. Was ich mir aber wünsche, ist, dass die Leute, die sich entscheiden in Fischeln zu wohnen, sich auch als Fischelner fühlen. Dass sie hier einkaufen, in Vereine eintreten, ihre Kinder hier zur Schule gehen.

Foto RP

Sind denn viele der Neubürger im Bürgerverein engagiert?

Schütt Nein, leider nicht. Man hört immer dann von ihnen, wenn es um Probleme direkt vor der eigenen Haustür geht: Verkehrsberuhigung, Straßenreinigung, Zustand der Spielplätze. Man kennt uns also schon und weiß, an wen man sich wenden muss. Aber es sind die wenigsten, die dem Bürgerverein beitreten und kaum jemand, der sich dann aktiv einbringt.

Noch ein Wort zu der umstrittenen Grünverbindung zwischen dem Spielplatz An de Welt und der Rosenstraße?

Schütt Ich kann die Argumente der Gegner nicht so ganz nachvollziehen. Es gibt genug positive Beispiele ähnlicher Konstellation Man sollte doch bitte auch bedenken, dass sehr viele andere Anwohner den Weg schön fänden. Auch vor dem Hintergrund der neuzubauenden Kindertagesstätte. Wenn Eltern zu Fuß unterwegs sind, wäre es sicherlich schön, wenn sie nicht über den Vaaßenweg müssten. Aber gleichzeitig auch der Hinweis auf die finanzielle Situation: Wenn die Gelder tatsächlich über sind: Ja, Gerne. Aber wenn sie woanders sinnvoller genutzt werden könnten, dann müsste man die Prioritäten anders setzen.

RP vom 03.08.2013