Fischelns Geschichte

Luftaufnahme von Fischeln aus dem Jahr 1966

Luftaufnahme von Fischeln aus dem Jahr 1966

Fischeln ist schon sehr alt

Fischeln ist ein uralter Ort. Genaueres über die Frühzeit wissen wir nicht. Spuren von Menschen aus der mittleren Steinzeit (10000 - 3500 v. Chr.) hat man im Fischelner Raum entdeckt: man fand sieben Steinwerkzeuge, die vermutlich von durchwandernden Ureinwohnern zurückgelassen wurden. Eine Pfarrkirche (St. Clemens) wird schon im Jahre 943 zum ersten Mal erwähnt. Von 1392 bis 1794 gehörte Fischeln zum kurkölnischen Amt Linn. Bis 1929 war Fischeln eine selbständige Gemeinde. Als der Bau einer Kanalisation anstand, wurde es nach Krefeld eingemeindet. Die Gemeindekasse war zu diesem Zeitpunkt jedoch keineswegs leer. Vielmehr erhielt Krefeld bei der Eingemeindung 350.000 Mark. Das „Krefelder“ Stahlwerk lag schließlich auf Fischelner Gebiet, so dass es seine Steuern nach Fischeln zahlte. In den 1960er und 1970er Jahren wuchs die Einwohnerzahl des Stadtbezirks Fischeln durch die Erschließung neuer Wohngebiete stark an.

Viele Dokumente finden Sie zur Geschichte des Ortes im Heimatarchiv des Bürgervereins im Fischelner Rathaus-

Urkunde und Karte von Fischeln

Aus der Urkunde geht hervor: Balderik, Bischof von Utrecht, übergibt durch die Hand seines Advokaten an seine Schwägerin Frau von Nevelong und deren Söhne Balderic und Rudulphe zum fortdauernden Niessbrauch 45 Höfe in den Orten: Rura, Liethorp, Linne, Suletheim, Flothorp, Ascolon, Malicalieol und Curnelo die in der Nähe von Limburg, Maastricht und Roermond liegen. Außerdem übergibt er eine Stadt mit dem Namen Willere und eine Gemeinde Buochern; dazu die Hälfte einer Kirche mit 45 Gehöften und 190 Leibeigenen in Fischelo.

Auf dem zweiten Bild sehen Sie eine Karte mit der Gestalt der Gemeinde und Pfarre Fischelns im Jahre 1594 nach urkundlichen Angaben und Überlieferungen von J. Peter Lentzen.

Weitere historische Fotografien und bildliche Gegenüberstellungen Einst und Heute finden Sie im noch lieferbaren Buch "Fischelner Bilder" der Ausgabe 1994.

Die Zeiten wandeln sich - und wir wandeln uns mit.
Fischeln ist eine alte Siedlung. Steinwerkzeuge fanden sich im Niederbruch, ein Römergrab wurde an Mohlen (Gietz) freigelegt und 943 wird eine Kirche in Fiscolo genannt. Krieg und Frieden haben miteinander nur zu oft abgewechselt; immer wieder war die Bevölkerung die Leidtragende. 1473 lag Karl der Kühne mit seinen Scharen elf Monate vor Neuss und seine Söldner plünderten das Land. Für Krefeld nennt die Schadensrechnung 4545 Gulden. Das Kreuz auf der Turmspitze unserer Kirche hat die Jahreszahl 1586, denn damals war die Kirche im Truchsessischen Krieg sehr beschädigt worden. Auch das Gewölbe stürzte ein und der Pfarrer Rutgerus Engels, dessen Grabplatte unterm Turm hängt, ließ 1683 die Kirche neu richten. Die Deckengemälde, die 1966 unter der Tünche freigelegt wurden, stammen aus der Zeit.

Über die Leiden und Schäden des Dreißigjährigen Krieges, d. h. für uns die Schlacht am Antonitag 1642, hat Pastor Fabritius Nachrichten aufgezeichnet.

Im Siebenjährigen Krieg kämpften an der gleichen Hückelsmey abermals Franzosen und Deutsche miteinander. Das Elend jener Tage spricht aus dem Tagebuch des Vorstehers J.W. Saaßen: " und die ganze Nacht plünderten sie erbärmlich; im Dorf ließen sie Wein, Bier und Brandwein und was fließen konnt', laufen!", da machten Freund und Feind keinen Unterschied. In Papieren des Wimmerhofes heißt es: "Die Leut gingen alle aus ihre Häuser und als sie wiederkamen, so fanden sie nichts als die ledige Häuser ganz zerschlagen und verwüstet." 1797 kamen die französischen Revolutionsheere und die Kosaken ins Dorf und brachten harte Einquartierungslasten mit sich. Die Kriege von 1813, 1864, 1866 und 1870 wurden anderwärts ausgefochten, und nur wenige Fischelner nahmen direkten Anteil. Anders war das 1914/1918. Außer den allgemeinen Kriegsnöten, Hunger und Verarmung mussten 242 Männer ihr Leben lassen. Die fünf Schwerter-Kreuze auf dem Friedhof sollten ihr ehrendes Gedächtnis festhalten. Doch der nächste Weltkrieg von 1939/1945 fegte sie hinweg und der trauernde Heimkehrer auf dem Friedhof, den Prof. Akkermann schuf, sinnt über unendlich viel mehr Kriegsnot und Kriegsleid nach. In diesem Krieg fielen nicht nur 306 Söhne unserer Gemeinde auf den Schlachtfeldern, sondern in der Heimat trafen die Bomben außer Hab und Gut auch 39 Personen tödlich. Ob unser Gebet: "Nie wieder Krieg!" Erhörung findet?

1976 wurde im Quadrum der Clemenskirche eine Madonna mit Kind aufgestellt, zu deren Füßen die Namen der Gefallenen der Pfarre aufgezeichnet sind. Die Statue wurde von der Bildhauerin Erica Vonhoff - Aachen gestaltet.

Bis zur Franzosenzeit waren wir Fischelner Kurkölner und die Gath war die Landesgrenze zum preußischen Krefeld. Der Wiener Friede schlug auch uns zu Preußen. Bei der Neugliederung wurde Fischeln eine Bürgermeisterei. Seit 1929 gehört unser Ort zur Großstadt Krefeld. Das sind 50 Jahre, was uns anregt zu fragen: "Wie war es früher"?

Damals hatten wir einen eigenen Gemeinderat mit 18 Mitgliedern, einen eigenen Bürgermeister von Amtswegen und 3 ehrenamtliche Beigeordnete. Bürgermeister Wilhelm Stefen, an den die "Wilhelm-Stefen-Straße" erinnert, war ein ausgezeichneter Verwaltungsbeamter, der von 1898 an die Gemeindegeschicke leitete. Das Jahr 1898 hatte es für Fischeln auch sonst an sich. Damals kam der Postmeister Arnold Mehls, ließen sich Dr. Johannes Wolfers und in Königshof Dr. Ewald Kirch nieder. Auch zog in diesem Jahr der erste organisierte Martinszug. 1910 wurde das Rathaus an der Düsseldorfer Straße gebaut. Diese Straße, ursprünglich schlicht "de Landstro'et" genannt, wurde 1929 bei der Eingemeindung in Kölner Straße unbenannt. Bei der Gelegenheit ging der Straßenzug auf Krefelder Gebiet, der bis dahin Fischelner Straße hieß, in die Kölner Straße auf. Heute erinnert in Krefeld kein Straßenname mehr an den größten Vorort Fischeln, wir sind nur noch Krefeld 1.

Alt Fischeln war ein Bauerndorf. 1572 hatte Fischeln 92 Höfe und Häuser. 1631 gab es 100 laufende Hausnummern mit 302 Einwohnern. Bei der Eingemeindung 1929 hatte Fischeln 9300 Einwohner; heute wohnen hier über 26000 in über 4000 Häusern. - Als im 18. Jahrhundert die Krefelder Seidenindustrie großen Aufschwung nahm, gingen viele Fischelner zur Seidenweberei über, und straßauf straßab klapperten die "Taue". Nach dem Übergang zur mechanischen Weberei wurde Fischeln geradezu zum bevorzugten Arbeiterwohnort für die Krefelder Industrie - 1852 kamen die ersten Gemüsebauern aus "Kappes-Hamm" nach Fischeln, um bei günstiger Marktlage hier Gemüsebau zu treiben. Heute haben die "Hämmer" neben Treibbeeten Kalt- und Warmhäuser, in denen sie außer Gemüse weitgehend Blumen züchten.

Vor 1900 kam die Industrie in den Ort. Die Brauerei Rhenania verlegte ihre Braustätte vom "Bröcksken" an die Obergath, in "Stahldorf'' entstand das Edelstahlwerk, heute Thyssen Edelstahl, die Kesselfabrik Reichling, Chemische Fabriken Rubach, Pottgießer, Langenfeld entstanden und vergingen, Butzon und Berker und Schwitzke ließen sich nieder. Ziegeleien, Kalksandsteinwerke und Webereien runden das Angebot. So wurde aus dem stillen Dorf ein Großstadtvorort.

Im Rathaus waren die Sparkasse und die Gemeindekasse untergebracht, deren letzter selbständiger Leiter August Ridder war. Er war der Nachfolger des Rentmeister Buscher, (Vaaße Johannes, an den heute der Vaaßenweg erinnert) der auch jahrzehntelange Leiter der Freiwilligen Feuerwehr war. Die heutige Sparkasse an der Kölner Straße steht an der Stelle von "Peppeschhof". Der Sparkasse gegenüber liegt seit 1962 das Zweigpostamt 7. Als wir noch selbständig waren, hatten wir zwei selbständige Postämter mit je einem Postmeister als Vorsteher. An die erste Fischelner Post erinnert noch das "Hotel zur Post", wo P.H. Dickmann seit 1848 eine Poststelle unterhielt. 1878 wurde diese zur Marienstraße Nr. 70 verlegt. 1889 wurde das Haus Kölner Straße 543 neugebaut und von der Post bezogen. 1919 zog sie dann nach Nr. 534 um. In Königshof besorgte der Wirt Johann Korff die Poststelle, bis sie in ein Postamt Königshof unter Postmeister Franz, später Ketteler, umgewandelt wurde. Im Postamt Fischeln amtete Postmeister Mehls.

An der Kölner Straße liegen heute 4 Apotheken: die Clemens Apotheke, die Süd Apotheke, die Brunnen Apotheke und die Mühlen Apotheke. 1898 eröffnete der Apotheker Wilhelm Grotemeyer die erste Fischelner Offizin gegenüber der Brotfabrik Hauses. Während um 1900 drei Ärzte, Hafels, Wolfers und Kirch, tätig waren, gibt es z.Zt. 10 Ärzte und 5 Zahnärzte.

Ursprünglich gehörten Fischeln, Königshof und Stahldorf zur Pfarre St. Clemens. 1896 hatte man den Grundstein zur Rektoratskirche Herz Jesu gelegt, den zu St. Bonifatius 1915. St. Bonifatius wurde 1958 nach einem Plan von E. Steffan neu erbaut. Beide Bezirke sind inzwischen zu großen Pfarren herangewachsen. Bei Bonifatius in "Stahldorf'' ist das bedingt durch das "Deutsche Edelstahlwerk", das aus dem um 1900 gegründeten "Vulkan" hervorgegangen ist.

St. Clemens ist ein altehrwürdiger Bau. Ausgrabungen haben 1966 die Fundamente einer Kirche aus dem 10.Jahrhundert. freigelegt. Diese Frühkirche wurde durch Brand zerstört, und man baute an gleicher Stelle im 11.Jahrhundert eine größere Saalkirche mit einer Chornische. Im 12. Jahrbundert fügte man den heutigen Turm an. Das 13. Jahrhundert vergrößerte die Kirche um das nördliche Seitenschiff und 1750 baute man das Südschiff. 1867 erhielt die Kirche das Querschiff und die 5 Chornischen, von denen später 2 zu Sakristeien, "Gerkammern", ausgebaut wurden. Bei der Instandsetzung 1966 durch den Architekten Cornelius Steinmann unter Pfarrer Eugen Kranz sind die Wände entfernt und die Chornischen wieder in den Kirchenraum einbezogen worden. Dabei wurde auch die Bauinschrift von 1867 frei: sie lautet:
eCCe.sVbtVs. Latet. Lapls. fVnDaMentalis (MDCCCLXV JJ - 1867 Siehe hierunter liegt der Stein des Fundamentes)
Die evangelische Gemeinde bezog im Dezember 1958 ein Gemeindezentrum, dessen Mittelpunkt die Markuskirche an der Kölner Straße bildet.

Begraben wurden unsere Vorfahren auf dem Kirchhof im Schatten von St. Clemens. 1821 wurde der heutige Marienplatz als Friedhof angelegt. Als er 1852 für den Schulbau benötigt wurde, verlegte man den Friedhof an die Eichhornstraße, damals sagte man "an die Kellerheide". Die Eichhornstraße, vorher Friedhofstraße, hat ihren Namen nach einem Krefelder Landrat (Fischeln gehörte 1816/1929 zum Landkreis Krefeld). Auch die Saaßenstraße und die Odenthalstraße halten das Gedächtnis an Landräte fest.

Die älteste Fischelner Schule lag am Kirchplatz; sie wurde 1915 abgebrochen. Für sie war 1852 die Marienschule als Erweiterung gebaut worden. 1855 wurde hier die Mariensäule aufgestellt. 1871 wurde die Königshofschule errichtet und 1878 die Südschule. 1903 entstand die Niederbruchschule und 1904 die Evangelische Schule. Am Limbourgplatz, der seinen Namen ebenfalls nach einem Landrat trägt, folgte 1908 die Stahldorf Schule.

Durch die Umorganisation des Schulwesens wurden die Neubauten am Wimmersweg, an der Hafelsstraße und an der Von-Ketteler-Straße erforderlich, wo die Freiherr-von-Stein-Realschule und die Sonderschule Platz fanden. In Kürze wird da auch ein Gymnasium bezogen.

Die Fischelner haben immer eine freigebige Hand für ihre Kirche gehabt; davon zeugen die vielen Figuren, die noch heute vorhanden sind. Genannt seien der jetzt im Chorbogen hängende Kruzifixus aus dem 15. Jahrhundert, der aus der gleichen Zeit stammende Antonius mit dem Schwein (Verkestünnes), St. Sebastian, St. Clemens und St. Matthias aus dem 17. Jahrhundert. Gottvater, Petrus, Johannes, Maria und Josef von Osterspey sind beachtliche Bildwerke des 18. Jahrhunderts. Die schönen Bankwangen von 1752 schmücken den Raum. Der Hochaltar ist wie der Rosenkranzaltar von 1900 und der Sebastianusaltar von 1916.

1975 wurde eine neue Orgel eingeweiht. Die Reliefs Antonius von Padua und Elisabeth von Thüringen schuf Prof. Akkermann. In verfolg der neuen Liturgiebestimmungen formte Prof. Henselmann München, den Zelebrationsaltar und Ambo. Er ist auch der Gestalter des Kreuzweges. Die neuerdings an der Sakristeiwand aufgestellte Pieta hatte Pfarrer Kranz ursprünglich für das Quadrum erworben, was sich dann als untunlich erwies. Über ihren jetzigen Platz freuen wir uns dank der Initiative von Dr. Wolters.

In diesem Zusammenhang sei auch die vorzügliche Gestaltung des Clemensplatzes erwähnt, der durch die Erhaltung des Hauses Nr. 7 seine Geschlossenheit gewahrt hat, der sich heute für zahlreiche kirchliche Veranstaltungen als erweiterter Kirchraum "unter St.Clemenskirchturmshahn" anbietet. Hingewiesen sei auf die alten Fenster mit den Butzenscheiben, die instand gesetzt sind und auf die 3 neuen Chorfenster von Prof. Fünders, welche die Sebastianusbruderschaft gestiftet hat. Die Bruderschaft bestand schon 1453; denn damals besaß sie bereits Land. Der neue Kindergarten ist auf Bruderschaftsland erbaut, daher der Name "Bruderschaftsweg". Aus der "Bruderschaft", die seit 1892 nicht mehr nach dem Vogel schießt, und einer alten "Junggesellschaft" entstand 1892 die "BürgerSchützen-Gesellschaft", die nach altem Brauch alljährlich den Königsvogel mit der Armbrust von der Stange holt und Schützenfest feiert. Diese Fischelner Schützenfeste gehören landauf, landab zu den meistbesuchten Heimatfesten. - Sie sind ein fester Kitt des Gemeinschaftsbewußtseins, das sich hier lebendig zeigt. In gleicher Richtung liegt die Bedeutung der zahlreichen Vereine für Geselligkeit und Sport, wobei die Gesangvereine besonders erwähnt seien, sind sie es doch, die stets dabei sind, wenn sich im Ort irgendetwas tut. Amtseinführungen in Kirche und Gemeinde, Jubiläen mit silbernem oder goldenem Kranz, Glocken- und Denkmalsweihen und alle anderen Feste öffentlicher Art werden durch ihre Sangeskunst festlich umrahmt. Und so hoffen wir, daß sich der Stadtteil Fischeln vom einst über das jetzt ausbaue in ein glückliches dereinst im Rahmen der Stadt Krefeld!
Von Franz Heckmanns ( )

Alte Lithographien

Ende des vorigen Jahrhunderts schickten Fischelner Bürger schon Grüße in alle Welt. Diese Lithographie zeigt markante Punkte des alten Fischeln. Die Fabrik Reichling, die südliche Marienstraße und der Bahnhof Fischeln sind fast unverändert geblieben.

An der Stelle der Gaststätte Berck (unter links "Zum Schwan") steht heute das Ärztehaus an der Kölner Straße. Das Restaurant Müller (Mitte, "Zur Waage") hat der Raiffeisenbank weichen müssen.

Die Grußkarte vom 1902 zeigt die Ecke Marienstraße/Anrather Straße.

Noch heute steht dieses schmucke Gebäude unverändert und beherbergt die Gaststätte "Marieneck".

Die Bildpostkarte vom 22.06.1918 zeigt die Rektoratskirche "Herz Jesu" in Königshof mit Jugendheim und altem Pastorat.

Schon 1928 machte die Privat-Brauerei Robert Wirichs in Königshof mit einer eigenen Postkarten-Serie Reklame. Das vorliegende Exemplar fand vor einigen Jahren von München den Weg zurück nach Fischeln.

Die Brauerei wurde von der Familie Wirichs 1938 gegründet und braut seit 1988 an der Gath ihr bekanntes Altbier.

Die Postkarte mit der heutigen Gaststätte "Welters" ging am 21.11.1918 vom Postamt Königshof nach Pohlitz in Thüringen. Zu dieser Zeit war Theodor Hoeren der Besitzer.

Die alte Fischtenstraße aus dem Jahr 1900 wurde 1929 in Oberschlesienstraße umbenannt. Noch heute ist andeutungsweise der alte Verlauf neben der neuen Oberschlesienstraße zu erkennen.

Die Schankwirtschaft von Mathias Spickhofen lag an der Fichtenstraße 4, heute Oberschlesienstraße 14/Ecke Anrather Straße. Bis vor wenigen Jahren betrieb dort die Familie Prade die Gaststätte. Heute wird das Gebäude zu Wohnzwecken genutzt.

Die Karte stammt aus den 20er Jahren und wurde von der Firma Dümpelmann in Krefeld gedruckt.

Wie schön war unser altes Fischeln! Diese kolorierte Lithographie wurde als Neujahrs-Gruß am 30.12.1898 im Postamt Fischeln aufgegeben. Sie war für einen Freund in Göttingen bestimmt.

zu erkennen sind die Marienschule, Herz-Jesu Königshof, das Dreifaltigkeitskloster, die Marienstraße und die heutige Kölner Straße. An der Clemenskirche sieht man noch die beiden alten Eingangskapellen beidseits des Turmes.

Wo heute an der Anrather Straße die Gaststätte "Zur Hufschmiede" beheimatet ist, hatte um die Jahrhundertwende Michael Neuhausen eine Privatbrauerei mit großem Gartenrestaurant. Nebenbei betrieb er im Hinterhof eine Böttcherei.

Im Hintergrund ist die alte Fischelner Mühle zu erkennen.

Im Jahre 1917 stand am Marienplatz/Ecke Marienstraße das Restaurant Fr. Holzapfel (später "Moselstübchen", heute "Döppes Dörp").

Zu dieser Gaststätte gehörte ein Tanzsaal am Marienplatz, in dem viele große Feste gefeiert wurden.

Die gezeigten Aufnahmen finden Sie auch in dem 1994 erschienenen Buch "Fischelner Bilder".

Kaum gewürdigtes architektonisches Kleinod
An einem Montag, dem 1. August 1910, wurde das Fischelner Rathaus eingeweiht. Der einhundertste Geburtstag verlangt daher geradezu nach einer aufmerksamen Betrachtung und Erfassung von Details, die nicht oder kaum bekannt sind. Zunächst fällt auf, dass erstaunlich wenig über das vom Architekten Arno Eugen Pritsche 1908/1910 geplante Fischelner Rathaus in Schriftform vorliegt: Ein paar eher magere Informationen aus dem Krefelder Stadtarchiv und lediglich alte Zeitungsausschnitte von Ereignissen rund um das Rathaus aus dem Heimatarchiv des Bürgervereins Fischeln.
Hilfreicher waren da schon die Angaben, die Diplom-Ingenieur Klaus Palm anlässlich von Restaurierungsarbeiten zusammengetragen hatte. Interessant und gleichzeitig kurios ist die Tatsache, dass das Rathaus in Fischeln einen "Zwillingsbau" in Solingen-Gäfrath hat.

Unklar bleibt, ob die damaligen Verantwortlichen den Architekten beauftragten, die Solinger Pläne als Doublette auf Fischeln zu übertragen oder ob der Architekt seine Pläne schlicht mehrfach verwertet hat. Die Ähnlichkeit jedenfalls ist frappant. Im Architekturführer lesen sich die ersten Zeilen über das Objekt wie folgt: "
Der zweigeschossige Putzbau mit Turm und rustiziertem Quadersockel besteht aus zwei im rechten Winkel aufeinanderstoßenden Flügeln, die durch einen halbrunden, großzügig durchfensterten Erker mit Zeltdach verschliffen sind." Und ähnlich kompliziert geht es auch weiter im Text. Wir wollen den Eindruck und die Deutung dem Betrachter persönlich überlassen, die Ausführungen würden sonst den Rahmen sprengen. Ein Foto gibt da schon eher Auskunft. Interessant auch die Tatsache, dass Architekt Pritsche seinerzeit unterschiedliche Außenputz-Varianten anbringen ließ. Aus Repräsentationsgründen wurde an den beiden Straßenseiten (Kölner-und Hafelsstraße) grobkörniger, hochwertiger Putz verwendet, der nicht angestrichen, sondern durchgefärbt war. Bei den Renovierungsarbeiten (2009/2010) zeigte sich die Qualität des Putzes. Fragt man die Fischelner Bürger, so stufen sie den Bau als "Jugendstil-Rathaus" ein. In der Tat sind Anlehnungen an den damals praktizierten "Art nouveau-Stil" nicht zu übersehen.

Etwas Geschichte
1903 wurde der Neubau eines Rathauses von der Fischelner Ratsversammlung beschlossen. Kostenpunkt: 110.000,- Mark. Der heutige Stadtteil von Krefeld war damals noch selbständig und man benötigte dringend eine bessere Unterkunft und ein repräsentativeres Gebäude als die jeweiligen Standorte davor. So zog man im Jahr 1910, unter Bürgermeister Wilhelm Stefen, vom alten Bürgermeisteramt in der Marienstraße 112 in das heutige Fischelner Rathaus mit 30 Räumen (inkl. der Wohnungen für Bürgermeister und Hausmeister). Alten Fotos und Schriftstücken ist zu entnehmen, dass vor allen Dingen die östliche Seite des Rathauses in eine unbebaute, landwirtschaftlich genutzte Landschaft schaute. Der Bau steht mit einem Hausflügel exakt parallel zur schnurgeraden (heutigen) Kölner Straße, der Achse Krefeld - Köln.
Nach dem Umzug (1910-1929) waren dort immerhin bis zu 30 Personen beschäftigt. Davon: 1 Bürgermeister (Wilhelm Stefen), 1 Gemeinderentmeister, 2 Obersekretäre, 2 Kasseninspektoren und 20 Assistenten. Diese Personalstärke war notwendig, um die mittlerweile auf 9.017 Einwohner angewachsene Gemeinde zu verwalten. (Hinweis: Im Jubiläumsjahr 2010 ist die Vorortverwaltung - ohne Polizei - mit drei Personen besetzt. Bei fast 27.000 Einwohnern). Wichtig dabei: Im gleichen Gebäude befand sich auch die Gemeindesparkasse.
Von der seinerzeit nachgewiesenen Polizeiwache (noch vorhanden) ist uns keine Personalstärke bekannt.
Von der feierlichen Fertigstellung und Einweihung am 1. August 1910, liegt folgende Zeitungsmeldung (Auszüge)vor:
"Der Bürgermeister sprach warme Dankesworte, lobte die gediegene und geschmackvolle Ausführung des Baus und bedankte sich bei den Handwerkern für eifriges und geschicktes Arbeiten." Der Redakteur fährt fort: "Die Familie Bommers stiftete Glasfenster und das Stahlwerk Krefeld sorgte für die Saalbeleuchtung. Beigeordneter Oediger spendierte ein Kaiser-Bildnis. Landrat Dr. Limbourg rief zu einem begeisterten "Kaiserhoch" aus. Anschließend ging man mit 80 Herren (!) in den "Wolfschen Saal" und vergnügte sich bis zu später Stunde."
An dieser Stelle passt eine Aufstellung der hauptamtlich tätigen Personen in Reihenfolge:

Wilhelm Stefen 1910-1929 als Bürgermeister

1929 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Fischeln nach Krefeld eingemeindet!

Wilhelm Stefen 1929 1931 als Beigeordneter u. Bürgermeister
Johannes Hermanns 1931 - 1938 als Stadtoberinspektor
Ernst Naggert 1938 1944 als Stadtoberinspektor
Rudolf Bohnenstein 1944-1945 als Stadtoberinspektor
Franz Heckmanns 1945 - 1945 als "Bürgermeister"

Zwischen März und September 1945 war Fischeln "versehentlich" wieder "selbstständig", da Heckmanns von einem amerikanischen Major per Order zum Bürgermeister eingesetzt wurde.

Ernst Brandenburg 1945 - 1948 als Stadtoberinspektor
Franz Wichert 1948-1961 als Stadtoberinspektor
Ludwig Blum 1961-1974 als Oberamtmann
Werner Goldmann 1974-1988 als Amtmann
Wolfgang Hellfeier 1988 - 1990 als Amtmann
Rolf Ruland seit 1990 als Amtsrat

Mehrere Verwaltungsstellen hatten im Rathaus ihren Sitz. Allen vorweg das Standesamt, ferner die Bezirksfürsorgestelle, eine Filiale des Steueramts und des Versicherungsamts, sowie die Stadtkassennebenstelle und einer Mütterberatungsstelle. Genaue Angaben dazu macht Oberamtmann Ludwig Blum in mehreren internen Aktennotizen. Die meisten Anlaufstellen für (Bürger fielen inzwischen einer von der Politik gewünschten Zentralisierung zum Opfer.
(Auszug einer Dokumentation aus dem Magzin "der Niederrhein" von Helmut Höffken)
FiWo 09.10.2010


Hier einige Impressionen vom "Straßenfest" anläßlich der 100-Jahr Feier des Rathaus Fischeln am 10.Oktober 2010.

150 Jahre Mariensäule

Foto BVF

Foto BVF

Am 19.Juni 2005 wurde mit einem Gottesdienst auf dem Marienplatz die Aufstellung der Fischelner Mariensäule vor 150 Jahren gefeiert. Schließlich, 150 Jahre sind schon ein ansehnliches Alter, doch darüber hinaus handelt es sich bei diesem Standbild, wenn auch nicht um ein Werk besonders hohen künstlerischen Wertes, dafür aber von hohem historischen Wert. Es durfte nach bisherigem Wissensstand die erste solcher Säulen im Preußen des 19. Jahrhunderts sein. Auch ein besonderer Anlass lag zu ihrer Errichtung vor.
Papst Pius IX hatte 1854, im achten Jahr seines Pontifikates, das dritte der inzwischen vier Mariendogmen verkündet. Es war der für Katholiken verbindliche Glaubenssatz der "Unbefleckten Empfängnis" (Folgerung der Freisprechung von der Erbsünde). Vorher gab es die Dogmen der "Groß-Mutterschaft" (431) und ihrer "immerwährenden Jungfräulichkeit" (694). Die Einsetzung dieses dritten Mariendogmas wurde trotz oder wegen der "Aufklärung" (Bewegung im 17./18. Jahrhundert) von vielen Katholiken begeistert aufgenommen. In Fischeln mit damals kaum 2820 Einwohnern fanden sich, so der Bericht des Heimatforschers Ludwig Blum, mehrere junge Männer zusammen, um das Ereignis besonders zu würdigen.

Geschichtsschreiber Peter Lenzen berichtet davon: "Um am hiesigen Orte eine Mariensäule zu errichten, Ist ein Comite zusammengetreten (neun Namen folgen). Dieses Comite sammelte freiwillig Beiträge und richtete an den Gemeinderat das Gesuch, auf dem früheren Begräbnisplatze, der neuen Schule gegenüber das Bild aufstellen zu dürfen." Das damals noch etwas abseits liegende Grundstück des heutigen Marienplatzes diente von 1821 bis 1852 als Friedhof, die Schule wurde 1851 erbaut. Der Gemeinderat gab am 3. Oktober 1855 seine Einwilligung zur Aufstellung der Mariensäule, die am 6. Dezember des gleichen Jahres erfolgte. Die Säule wurde vom Linner Bildhauer Louis Dicht geschaffen, die Statue darauf vom Kölner Bildhauer Hilgers. Beide Teile bestehen aus Udelfanger Sandstein, wurden inzwischen von Überstrichen und Spachtelmasse gereinigt und restauriert, der Sternenkranz (Kupferblech und Blattgold) erneuert. Die 75jährige Standhaftigkeit dieses Fischelner Wahrzeichens, das Platz, Schule und Strasse einen Namen gegeben hat, wurde 1930 mit Fackelzug und Festakt ähnlich wohl wie 1855 bei der Aufstellung gefeiert. Der Höhepunkt zum 125 jährigen Jubiläum (1955) war die Begrüßung der heimkehrenden Kevelaer-Prozession mit Schlußfeier in der Clemens-Kirche.

Von Egon W. Fleischmann


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