100 Jahre Rathaus Fischeln

Kaum gewürdigtes architektonisches Kleinod
An einem Montag, dem 1. August 1910, wurde das Fischelner Rathaus eingeweiht. Der einhundertste Geburtstag verlangt daher geradezu nach einer aufmerksamen Betrachtung und Erfassung von Details, die nicht oder kaum bekannt sind. Zunächst fällt auf, dass erstaunlich wenig über das vom Architekten Arno Eugen Pritsche 1908/1910 geplante Fischelner Rathaus in Schriftform vorliegt: Ein paar eher magere Informationen aus dem Krefelder Stadtarchiv und lediglich alte Zeitungsausschnitte von Ereignissen rund um das Rathaus aus dem Heimatarchiv des Bürgervereins Fischeln.
Hilfreicher waren da schon die Angaben, die Diplom-Ingenieur Klaus Palm anlässlich von Restaurierungsarbeiten zusammengetragen hatte. Interessant und gleichzeitig kurios ist die Tatsache, dass das Rathaus in Fischeln einen "Zwillingsbau" in Solingen-Gäfrath hat.

Unklar bleibt, ob die damaligen Verantwortlichen den Architekten beauftragten, die Solinger Pläne als Doublette auf Fischeln zu übertragen oder ob der Architekt seine Pläne schlicht mehrfach verwertet hat. Die Ähnlichkeit jedenfalls ist frappant. Im Architekturführer lesen sich die ersten Zeilen über das Objekt wie folgt: "
Der zweigeschossige Putzbau mit Turm und rustiziertem Quadersockel besteht aus zwei im rechten Winkel aufeinanderstoßenden Flügeln, die durch einen halbrunden, großzügig durchfensterten Erker mit Zeltdach verschliffen sind." Und ähnlich kompliziert geht es auch weiter im Text. Wir wollen den Eindruck und die Deutung dem Betrachter persönlich überlassen, die Ausführungen würden sonst den Rahmen sprengen. Ein Foto gibt da schon eher Auskunft. Interessant auch die Tatsache, dass Architekt Pritsche seinerzeit unterschiedliche Außenputz-Varianten anbringen ließ. Aus Repräsentationsgründen wurde an den beiden Straßenseiten (Kölner-und Hafelsstraße) grobkörniger, hochwertiger Putz verwendet, der nicht angestrichen, sondern durchgefärbt war. Bei den Renovierungsarbeiten (2009/2010) zeigte sich die Qualität des Putzes. Fragt man die Fischelner Bürger, so stufen sie den Bau als "Jugendstil-Rathaus" ein. In der Tat sind Anlehnungen an den damals praktizierten "Art nouveau-Stil" nicht zu übersehen.

Etwas Geschichte
1903 wurde der Neubau eines Rathauses von der Fischelner Ratsversammlung beschlossen. Kostenpunkt: 110.000,- Mark. Der heutige Stadtteil von Krefeld war damals noch selbständig und man benötigte dringend eine bessere Unterkunft und ein repräsentativeres Gebäude als die jeweiligen Standorte davor. So zog man im Jahr 1910, unter Bürgermeister Wilhelm Stefen, vom alten Bürgermeisteramt in der Marienstraße 112 in das heutige Fischelner Rathaus mit 30 Räumen (inkl. der Wohnungen für Bürgermeister und Hausmeister). Alten Fotos und Schriftstücken ist zu entnehmen, dass vor allen Dingen die östliche Seite des Rathauses in eine unbebaute, landwirtschaftlich genutzte Landschaft schaute. Der Bau steht mit einem Hausflügel exakt parallel zur schnurgeraden (heutigen) Kölner Straße, der Achse Krefeld - Köln.
Nach dem Umzug (1910-1929) waren dort immerhin bis zu 30 Personen beschäftigt. Davon: 1 Bürgermeister (Wilhelm Stefen), 1 Gemeinderentmeister, 2 Obersekretäre, 2 Kasseninspektoren und 20 Assistenten. Diese Personalstärke war notwendig, um die mittlerweile auf 9.017 Einwohner angewachsene Gemeinde zu verwalten. (Hinweis: Im Jubiläumsjahr 2010 ist die Vorortverwaltung - ohne Polizei - mit drei Personen besetzt. Bei fast 27.000 Einwohnern). Wichtig dabei: Im gleichen Gebäude befand sich auch die Gemeindesparkasse.
Von der seinerzeit nachgewiesenen Polizeiwache (noch vorhanden) ist uns keine Personalstärke bekannt.
Von der feierlichen Fertigstellung und Einweihung am 1. August 1910, liegt folgende Zeitungsmeldung (Auszüge)vor:
"Der Bürgermeister sprach warme Dankesworte, lobte die gediegene und geschmackvolle Ausführung des Baus und bedankte sich bei den Handwerkern für eifriges und geschicktes Arbeiten." Der Redakteur fährt fort: "Die Familie Bommers stiftete Glasfenster und das Stahlwerk Krefeld sorgte für die Saalbeleuchtung. Beigeordneter Oediger spendierte ein Kaiser-Bildnis. Landrat Dr. Limbourg rief zu einem begeisterten "Kaiserhoch" aus. Anschließend ging man mit 80 Herren (!) in den "Wolfschen Saal" und vergnügte sich bis zu später Stunde."
An dieser Stelle passt eine Aufstellung der hauptamtlich tätigen Personen in Reihenfolge:

Wilhelm Stefen 1910-1929 als Bürgermeister

1929 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Fischeln nach Krefeld eingemeindet!

Wilhelm Stefen 1929 1931 als Beigeordneter u. Bürgermeister
Johannes Hermanns 1931 - 1938 als Stadtoberinspektor
Ernst Naggert 1938 1944 als Stadtoberinspektor
Rudolf Bohnenstein 1944-1945 als Stadtoberinspektor
Franz Heckmanns 1945 - 1945 als "Bürgermeister"

Zwischen März und September 1945 war Fischeln "versehentlich" wieder "selbstständig", da Heckmanns von einem amerikanischen Major per Order zum Bürgermeister eingesetzt wurde.

Ernst Brandenburg 1945 - 1948 als Stadtoberinspektor
Franz Wichert 1948-1961 als Stadtoberinspektor
Ludwig Blum 1961-1974 als Oberamtmann
Werner Goldmann 1974-1988 als Amtmann
Wolfgang Hellfeier 1988 - 1990 als Amtmann
Rolf Ruland seit 1990 als Amtsrat

Mehrere Verwaltungsstellen hatten im Rathaus ihren Sitz. Allen vorweg das Standesamt, ferner die Bezirksfürsorgestelle, eine Filiale des Steueramts und des Versicherungsamts, sowie die Stadtkassennebenstelle und einer Mütterberatungsstelle. Genaue Angaben dazu macht Oberamtmann Ludwig Blum in mehreren internen Aktennotizen. Die meisten Anlaufstellen für (Bürger fielen inzwischen einer von der Politik gewünschten Zentralisierung zum Opfer.
(Auszug einer Dokumentation aus dem Magzin "der Niederrhein" von Helmut Höffken)
FiWo 09.10.2010


Hier einige Impressionen vom "Straßenfest" anläßlich der 100-Jahr Feier des Rathaus Fischeln am 10.Oktober 2010.

150 Jahre Mariensäule

Foto BVF

Foto BVF

Am 19.Juni 2005 wurde mit einem Gottesdienst auf dem Marienplatz die Aufstellung der Fischelner Mariensäule vor 150 Jahren gefeiert. Schließlich, 150 Jahre sind schon ein ansehnliches Alter, doch darüber hinaus handelt es sich bei diesem Standbild, wenn auch nicht um ein Werk besonders hohen künstlerischen Wertes, dafür aber von hohem historischen Wert. Es durfte nach bisherigem Wissensstand die erste solcher Säulen im Preußen des 19. Jahrhunderts sein. Auch ein besonderer Anlass lag zu ihrer Errichtung vor.
Papst Pius IX hatte 1854, im achten Jahr seines Pontifikates, das dritte der inzwischen vier Mariendogmen verkündet. Es war der für Katholiken verbindliche Glaubenssatz der "Unbefleckten Empfängnis" (Folgerung der Freisprechung von der Erbsünde). Vorher gab es die Dogmen der "Groß-Mutterschaft" (431) und ihrer "immerwährenden Jungfräulichkeit" (694). Die Einsetzung dieses dritten Mariendogmas wurde trotz oder wegen der "Aufklärung" (Bewegung im 17./18. Jahrhundert) von vielen Katholiken begeistert aufgenommen. In Fischeln mit damals kaum 2820 Einwohnern fanden sich, so der Bericht des Heimatforschers Ludwig Blum, mehrere junge Männer zusammen, um das Ereignis besonders zu würdigen.

Geschichtsschreiber Peter Lenzen berichtet davon: "Um am hiesigen Orte eine Mariensäule zu errichten, Ist ein Comite zusammengetreten (neun Namen folgen). Dieses Comite sammelte freiwillig Beiträge und richtete an den Gemeinderat das Gesuch, auf dem früheren Begräbnisplatze, der neuen Schule gegenüber das Bild aufstellen zu dürfen." Das damals noch etwas abseits liegende Grundstück des heutigen Marienplatzes diente von 1821 bis 1852 als Friedhof, die Schule wurde 1851 erbaut. Der Gemeinderat gab am 3. Oktober 1855 seine Einwilligung zur Aufstellung der Mariensäule, die am 6. Dezember des gleichen Jahres erfolgte. Die Säule wurde vom Linner Bildhauer Louis Dicht geschaffen, die Statue darauf vom Kölner Bildhauer Hilgers. Beide Teile bestehen aus Udelfanger Sandstein, wurden inzwischen von Überstrichen und Spachtelmasse gereinigt und restauriert, der Sternenkranz (Kupferblech und Blattgold) erneuert. Die 75jährige Standhaftigkeit dieses Fischelner Wahrzeichens, das Platz, Schule und Strasse einen Namen gegeben hat, wurde 1930 mit Fackelzug und Festakt ähnlich wohl wie 1855 bei der Aufstellung gefeiert. Der Höhepunkt zum 125 jährigen Jubiläum (1955) war die Begrüßung der heimkehrenden Kevelaer-Prozession mit Schlußfeier in der Clemens-Kirche.

Von Egon W. Fleischmann


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