Eisener Rhein

Eiserner Rhein rückt näher

Foto Manfred Adam

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Proteste in NRW-Städten


"Eisener Rhein" rückt näher"


Das Bundesverkehrsministerium prüft für die Bahnverbindung nach Antwerpen jetzt auch die "Viersener Kurve", die von den Anliegerstädten bekämpft wird. NRW favorisiert die Trasse an der A52.

In das seit Jahren umstrittene Eisenbahnprojekt "Eiserner Rhein" von Antwerpen nach Duisburg kommt Bewegung. Das "Verkehrsministerium" im Zuge des geplanten Ausbaus der Bahnstrecke Kaldenkirchen-Dülken auch den Bau der "Viersener Kurve". Dabei handelt es sich um eine mehrere Hundert Meter lange Verbindung der vorhandenen Strecken Venlo-Viersen-Mönchengladbach sowie Krefeld-Viersen-Mönchengladbach. Dies bestätigte das Ministerium auf Anfrage unserer Redaktion.

Die "Viersener Kurve", die durch ein dicht besiedeltes Gebiet am Rande des Stadtzentrums führen würde, ermöglichte - unter Nutzung der Streckennetze in den Niederlanden und Belgien - direkte Fahrten von Antwerpen und Rotterdam zum Duisburger Hafen. Dies ist derzeit nicht möglich; die Züge müssen in Viersen rangieren. Das kostet Zeit. Die "Viersener Kurve" würde vermutlich eine deutliche Zunahme des Güterverkehrs zur Folge haben. Die Stadt lehnt diese Pläne darum ab. Gegen mehr Güterverkehr auf der Schiene und den damit verbundenen Lärm gibt es auch in Krefeld und Mönchengladbach Protest.

Unstrittig ist dagegen der zweigleisige Ausbau des Abschnitts Kaldenkirchen-Dülken. Mönchengladbach, Viersen und Venlo unterstützen die Pläne. Sie wollen damit den IC-Verkehr zwischen Eindhoven und Düsseldorf ermöglichen. Die Kosten werden auf 50 Millionen Euro beziffert. Das Nutzen-Kosten-Verhältnis gilt als ausgezeichnet. In diesem Zusammenhang untersucht das Bundesverkehrsministerium allerdings sämtliche Vorschläge zur Verbesserung der Verkehrsbeziehungen von NRW zu den Häfen Zeebrugge, Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam ("Zara"). Die Routenführung über Venlo und Viersen biete den Vorteil, dass sie auch Güterverkehr aus Antwerpen aufnehmen und als südlicher Bypass der Betuwelinie von Rotterdam nach Emmerich dienen könnte, heißt es in Berlin. Davon ist am Niederrhein bisher jedoch keine Rede gewesen. Entsprechend groß dürfte dort die Verunsicherung sein.


Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann (CDU), hatte unlängst in Neuss erklärt, der "Eiserne Rhein" könne über die zweigleisig ausgebaute Strecke Venlo-Viersen geführt werden. Nach Angaben des Ministeriums werden derzeit aber auch die beiden anderen Varianten des "Eisernen Rheins" geprüft. Die Reaktivierung der historischen Strecke würde jedoch 445 Millionen Euro kosten. Für die Trasse entlang der A 52 zwischen Roermond und Mönchengladbach wären sogar 480 Millionen Euro fällig. Einen Landtagsbeschluss entsprechend, hat das NRW-Verkehrsministerium aber diese Trasse zur Bewertung nach Berlin gemeldet. Die "Viersener Kurve" werde von den Anwohnern abgelehnt, heißt es weiter. Der frühere NRW-Verkehrsminister Lutz Lienenkämper (CDU) äußert sich dazu zurückhaltend. Die Prüfung der "Viersener Kurve" durch den Bund müsse abgewartet werden.

Quelle: RP 15.10.2014

Eiserner Rhein durch Krefeld

Die Debatte um den Eisernen Rhein durch Krefeld ist neu entbrannt. FDP, SPD und CDU fordern neue Trassen. Fakt ist: Diese wird es auf Jahre hinaus nicht geben. Am Ende droht massive Lärmbelastung.

Den 80 000 in Krefeld von Zuglärm betroffenen Anwohnern der Hauptbahnstrecke mitten durch die Krefelder Innenstadt drohen auf Jahre höhere Belastungen durch den geplanten Eisernen Rhein. Im neuen Bundesverkehrswegeplan, der 2015 beschlossen wird, werden zwar neue Trassen für den Eisernen Rhein, die Zugstrecke von den Seehäfen Zeebrügge, Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam bis zum Güterbahnhof Rheydt, vorgeschlagen; ab Mönchengladbach/Viersen werden aber laut Bundesverkehrswegeplan Züge auch weiterhin auf der bestehenden Trasse mitten durch Krefeld bis ins Ruhrgebiet (siehe Karte rechts) fahren.

Nach Bekanntwerden der Bundespläne für eine Trasse von Venlo bis Rheydt (RP-Bericht auf der Titelseite vom Montag) wächst in der Krefelder Politik jetzt die Sorge, dass die Anwohner vom Bahnlärm stark belastet werden. SPD und CDU fordern, dass eine Alternativtrasse weiter entlang der A 52 bis nach Kaarst gebaut wird. Die FDP hält diesen Plan für unrealistisch - sie schlägt eine Ersatztrasse nördlich der A 44, aber parallel zur Autobahn vor.

Faktisch aber wird es auf Jahrzehnte hinaus keine dieser beiden neuen Trassen geben, weil sie im Bundesverkehrswegeplan 2015 nicht festgeschrieben wurden. Der nächste Bundesverkehrswegeplan wird turnusgemäß erst zehn Jahre später verabschiedet. Vor dem Bau einer Alternativtrasse an einer der Autobahnen A 44 oder A 52 müssten dann noch Prüfungen und Gutachten vorgenommen werden. Bis zum Bau einer neuen Bahnlinie, die Anwohner der bisher mitten durch Krefeld führenden Bahnlinie tatsächlich entlastet, würden also noch Jahrzehnte vergehen.

Die Krefelder Grünen plädieren für eine realistische Betrachtung: "Vor 2040 würde es auch bei politischem Beschluss keine neue Trasse geben", sagt der Krefelder Grünen-Ratsherr Daniel John, der Mitarbeiter im Büro des Grünen-Verkehrsexperten Arndt Klocke aus dem Landtag ist. John forderte gestern gegenüber unserer Zeitung angesichts der auf Jahre hinaus absehbaren Mehrbelastung mit Zügen auf der bestehenden Trasse: "Krefeld muss sich für besseren Lärmschutz auf der vorhandenen Trasse starkmachen, anstatt neue Trassen zu fordern, die wohl kaum bezahlbar sind. Der Spatz in der Hand ist meiner Meinung nach hier besser als die Taube auf dem Dach."

Beim Thema Bundesverkehrswegeplanung herrscht Verwirrung allerorten; der Grund liegt in irreführenden Trassenbezeichnungen. Irritierend ist besonders der Begriff der "A 52-Variante". Zur Erklärung: Zwar wird derzeit im Rahmen der Erstellung des Bundesverkehrswegeplans die sogenannte A 52-Trasse geprüft. Für den Krefelder Abschnitt hat diese Trasse aber keine Relevanz, weil bei "A 52-Trasse" bisher auf Landes- und Bundesebene immer nur von einem kurzen Teilstück von den Niederlanden bis Rheydt die Rede ist.

Die Krefelder Politik aber bringt den Begriff der A 52-Trasse schon jetzt immer direkt mit Krefeld in Verbindung. So hat gestern die Krefelder SPD einen Antrag für die nächste Ratssitzung gestellt, in dem davon die Rede ist, dass die Züge künftig von Viersen aus auf einer neu zu bauenden Trasse entlang der A 52 bis zur A 57 bei Kaarst geführt werden sollten, von dort dann auf die Bahnlinie Köln/Duisburg. Eine solche A 52-Trasse hatte auch CDU-Ratsherr Jürgen Wettingfeld gefordert.

Die Krefelder FDP äußerte sich gestern kritisch zum Vorschlag, den Eisernen Rhein entlang der A 52 zu führen. Gegen diesen Plan gebe es erhebliche Bedenken in der Viersener und Schwalmtaler CDU. FDP-Fraktionschef Joachim C. Heitmann sagt: "Die Krefelder tun sich keinen Gefallen, wenn sie ihre Verkehrsprobleme zulasten ihrer Nachbarn in der Region lösen wollen." Er schlägt eine bereits von Gutachtern ins Gespräch gebrachte Trasse nördlich der A 44 vor. "Dadurch würde zumindest der Westen der Stadt vom Schienengüterverkehr entlastet", sagt Heitmann, erwähnt aber nicht, dass dann der Bahnlärm viel näher an den Fischelner Süden heranrücken würde. Heitmanns Argument: "Der Vorteil für ein interkommunales Gewerbegebiet nördlich und südlich der A 44 könnte neben dem Anschluss an die Autobahn auch ein Anschluss an eine Eisenbahnstrecke sein."

Wichtig: Beide in Krefeld vorgeschlagenen Varianten, über A 52 oder A 44, würde wohl die Krefelder Bürger in Forstwald und der City entlasten - Anwohner in Uerdingen und Oppum wären aber wohl weiter belastet, weil die Züge nördlich wieder nach Krefeld einschwenken.
Quelle: RP

Eiserner Rhein - Hintergründe

Ein Hauptgrund für das Scheitern dieses Projekts war auch das mangelnde wirtschaftliche Interesse der Niederländer an einer Reaktivierung der Strecke. Sie fürchten die Expansion des Antwerpener Hafens, der in Konkurrenz zum Hafen in Rotterdam steht. Verschiedene Konzepte wurden deshalb stets von ihnen blockiert.

Ein neuer Vorschlag 2007
Nachdem eine Reaktivierung der alten Trasse vom Tisch war, brachte der damalige NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke 2007 eine alternative Route ins Spiel. Die Idee: ein Streckenneubau entlang der Autobahn 52 von Viersen bis Elmpt.

2007-2008: Diskussionen um Alternativroute
Die Kosten für einen Neubau entlang der A 52 wurden von verschiedenen Gutachtern geprüft und als sehr hoch eingestuft. Belgien und die Niederlande tendierten 2008 daher nun doch wieder zur Reaktivierung der historischen Trasse. Im November 2008 machten die Niederlande deutlich, den Neubau entlang der A 52 nicht unterstützen zu wollen.

2011: Eiserner Rhein wird für tot erklärt
Im Januar 2011 teilte das Bundesverkehrsministerium mit, die Pläne für den Eisernen Rhein endgültig fallen zu lassen. "Die Strecke ist auf mindestens 20 Jahre tot", berichtete der Viersener Bundestagsabgeordnete Uwe Schummer. Das Land NRW drängte jedoch weiterhin bei der Bundesregierung darauf, das Projekt zu realisieren.

2011 bis 2014
Das Land NRW drängte weiterhin bei der Bundesregierung darauf, das Projekt zu realisieren. Sie will das bereits stark überlastete Bahnnetz entlasten, denn immer mehr Waren müssen über Schienen transportiert werden. Die Anwohner an den geplanten Bahntrassen wehren sich weiterhin.

September 2014: Wieder eine neue Idee
Das Bundesverkehrsministerium gibt bekannt, über eine weitere Alternative nachzudenken, wie der Güterverkehr vom Ruhrgebiet nach Antwerpen und zurück gelangen könnte. Eine Strecke von Venlo über Kaldenkirchen und Rheydt ins Ruhrgebiet wird als neue Lösung geprüft. Diese hat mit dem "Eisernen Rhein" an sich nicht mehr viel zu tun.

Die Strecke würde dem neuen Konzept nach zweigeteilt: Güterzüge führen von Venlo kommend über Viersen und Krefeld nach Duisburg. Gleichzeitig gäbe es eine zweite Trasse, die durch Mönchengladbach Richtung Grevenbroich und Köln führen soll.

Widerstand unter anderem in Mönchengladbach
Für das neue Konzept müsste in Mönchengladbach ein drittes Gleis gebaut werden. Davon wären laut lokalen Politikern rund 40 000 Anwohner betroffen. Es müssten Häuser abgerissen werden.
Quelle: RP